Tag 13 – Vom Nordkapp zum Inarisee

03.08.2015 – Die Nacht verbrachten wir heute bei 5 Grad im Auto. Da uns aber erst der Glühwein, dann später mehrere Lagen Kleidung und der Schlafsack wärmte, war keinem von uns kalt. Frühs fiel jedoch das Aufstehen schwer, denn Petrus brachte nun noch zu Nebel und Kälte einen angenehmen Wind und einen erfrischenden Sprühregen. Todesmutig stürzten wir uns dennoch nach draußen, packten ein, verfrachteten das Zelt kurzerhand vorübergehend in einen Müllsack und schmierten uns dann im Auto ein paar Schnittchen mit schwedischen Jalapeño-Tubenkäse. Um noch ein paar schöne Fotos zu machen, statteten wir erneut der Weltkugel einen Besuch ab. Ja, dann machen wir mal bei Regen, der schon waagerecht fällt, ein paar „schöne“ Bilder. Was soll’s, das Fotolächeln und die Palmen werden zuhause per Photoshop eingefügt. Danach gingen wir noch einmal in die Nordkapphallen, um uns den 20-minütigen Panorama-Film anzuschauen. Ein wirklich beeindruckendes Werk, das den Verlauf eines Jahres am Nordkapp nachvollzieht und dabei Themen wie Natur, die Bewohner des Nordkapps, Polarnacht und Polartag und Tourismus ganz ohne Worte aufgreift. Eine Szene zeigt im Zeitraffer die Hurtigruten-Touristen, welche von Honningsvåg scharenweise in Busse verladen und zum Nordkapp gekarrt werden. Direkt danach sieht man Menschen, die per Rad oder sogar zu Fuß den Weg zum Nordkapp bestreiten. Ein gut dargestellter Kontrast. Natürlich ist jedem die Art des Reisens selbst überlassen, aber bei uns stoßen die Menschen, welche in der schönsten Natur vor dem Fernseher im voll ausgerüsteten Wohnwagen oder -LKW sitzen, immer wieder auf Unverständnis. Umso größer ist der Respekt für die vollbeladenen im Regen strampelnden Radfahrer, die wir auf dem Hinweg und Rückweg sahen.
Eigentlich hatten wir noch eine Wanderung zum Knivskjelloden, dem tatsächlichen nördlichsten Punkt geplant. Diesen kann man vom Nordkapp-Felsen sehen, er läuft aber flach ins Meer hinein und ist nur zu Fuß erreichbar und deshalb wird er vernachlässigt. Da aber dichter Nebel herrschte, wollten wir nicht riskieren, uns zu verlaufen oder einen spontanen Kopfsprung über die nicht gesicherten hohen Felsen ins Eismeer zu machen.
Also ging es mit viel Druck in den Ohren zurück durch den Nordkapptunnel aufs Festland. Auch den Abstecher über das uns empfohlene Gamvik auf dem Nordkyn ließen wir aufgrund der angekündigten Schlechtwetter-Front sein. Nach 300 km Umweg wollten wir nicht am nördlichsten Punkt auf dem Festland im Nebel stehen. Vielleicht ein anderes Mal.
In Lakselv fuhren wir dann weiter südlich. Kurz hinter Karasjok dann ein Schild „Suomi“ – Finnland in der Landessprache. Ab jetzt hat die Währungs-Umrechnerei bis Polen erst mal ein Ende. Auch wurde hier wieder eine weitere unsichtbare Grenze überschritten, nämlich eine Zeitzone. Deshalb hieß es für uns nun die Uhren eine Stunde vor zu stellen. Die Straße ging nun schnurgerade mit dauernden Wellen (die, welche beim drüber fahren so ein lustiges Gefühl im Bauch geben) durch Birkenwälder. Auch eine Elster fand die Landschaft so toll, dass sie vor Freude vor unser Auto flog. Ein ganz hässliches Geräusch. Im Trauerzustand kamen wir dann etwa 20 Uhr Ortszeit am Inarisee an. Dieser ist mit 1400 km² doppelt so groß wie der Bodensee und in ihm liegen rund 3000 Inselchen. Nachdem wir bei drei aneinander liegenden Zeltplätzen die Preise verglichen hatten (Auweia, ist das deutsch! 🙂 ), nahmen wir uns eine kleine Hütte und kochten aus unseren Vorräten so etwas wie Chili sin Carne.
Hier ist es mit 12 Grad immerhin schon 7 Grad wärmer als heute früh am Nordkapp und es regnet nicht. Dafür sind unsere Freunde, die Mücken wieder da. Wir spenden den Viechtern kräftig Applaus. Erst eine Elster, dann Mücken – wir haben heute einen echten Killer Instinct. Morgen geht es (hoffentlich etwas weniger blutrünstig) nach -Überraschung- Süden. 

image
Nicht schön, aber selten 🙂
image
Liebe Leute, so sieht gute Laune aus!
image
On top of the world (Werbeslogan des Nordkapps)
image
Hüttchen am Inarisee
image
Unsere Hütte, unser Auto, unser See, unser Wasserflugzeug 😀

Ein Gedanke zu “Tag 13 – Vom Nordkapp zum Inarisee

  1. Hey alles gut bei euch? Ich mache mir Sorgen?
    Heute ist der 3. Tag ohne Lebenszeichen.
    Hab gerade alles am Stück gelesen und beneide euch ziemlich:-)
    Ich kam gestern auch erst aus Polen wieder.
    würde gerne noch mehr kommentieren, aber erst brauch ich ein Lebenszeichen von euch.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s