30.07.2016 – Moskau Tag 2

Aus unserem Plan, früher aufzustehen, wurde natürlich nichts. Da man sich ja auch ab und zu der Körperhygiene widmen muss (Thommy besonders intensiv), kamen wir dann doch erst gegen halb 12 zur Tram, um wieder den gleichen Weg zum Roten Platz einzuschlagen.

Heute war es viel voller als gestern, der ganze Rote Platz vollgestopft mit Chinesen. Da man sowohl an der Schlange für die Eintrittskarten zum Kreml als auch für den kostenlosen Besuch des Mausoleums länger anstehen muss, teilten wir uns. Christian stellte sich an die Schlange für die Tickets und Thommy und ich beim alten Lenin an. Wir sollten Christian anklingeln, kurz bevor wir bei der Sicherheitskontrolle zum Mausoleum sind. Da die Schlange recht zügig voran ging, wollten wir das auch bald, stellten aber fest, dass die Netze komplett tot waren. Also lief Thommy schnell an der Kremlmauer entlang, um Christian selbst zu holen. Thommy dachte aber, dass Christian am Kremleingang und nicht im Ticketshop ist und fand ihn dementsprechend nicht. Währenddessen wartete ich und wartete ich. Das Mausoleum schließt 13 Uhr und es war schon kurz vor der Angst und niemand kam. Schlussendlich ging ich dann einfach als eine der letzten Besucher an diesem Tag allein hinein. Erst geht es durch eine Sicherheitskontrolle, die aber mehr als nachlässig ist und dann muss man noch einen kleinen Weg laufen, bis man zum Eingang kommt. Dann ist alles so stockdunkel, dass man fast die nachfolgenden Treppen herunter fällt. Wenn sich gerade die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, kommt man rechts in einen Raum, im dem Lenin auf einem Sockel in einem Panzerglassarg aufgebahrt ist. Da liegt er nun also etwas wächsern und definitiv tot seit 92 Jahren herum, obwohl er von Anfang an lieber neben seiner Mutter in St. Petersburg begraben werden wollte. Da werden keine Kosten und Mühen gespart. Neben regelmäßigen wöchentlichen Kontrollen wird das Mausoleum auch alle 2 Jahre geschlossen, damit die verantwortlichen Wissenschaftler Lenin neu einkleiden und ihn wieder neu aufhübschen können. Alles in allen verschlingt das einen lächerlichen Betrag von 1,5 Mio. $ jährlich. Da einen die Wachen im Mausoleum dazu anhalten, nicht stehen zu bleiben, ist das Meeting mit dem großen Kommunistenführer innerhalb von maximal 30 sek auch wieder vorbei und über eine Treppe gelangt man wieder ans Tageslicht.  Hinter dem Mausoleum an der Kremlmauer befinden sich die Gräber von weiteren wichtigen Russen, unter anderem auch Juri Gagarin, Clara Zetkin und Stalin. Letzterer lag auch mal kurze Zeit im Mausoleum, bis ihn Chruschtschow angeblich mit den Worten „Hier stinkt es nach Stalins Leiche“ im Laufe der Entstalinisierung an die Kremlmauer verbannte.

Am Ausgang wartete Thommy, der aber Christian nicht finden konnte. Also gingen wir Richtung Kremleingang, wo uns Christian mehr oder weniger zufällig, aber mit Eintrittskarten für den Kreml über den Weg lief.

Nach erneuter Sicherheitskontrolle standen wir dann endlich innerhalb der Kremlmauern, wo man gleich förmlich vom Bau des staatlichen Kremlpalastes erschlagen wird. Der riesenhafte Bau aus dem 20. Jahrhundert steht im krassen Kontrast zu den zahlreichen alten orthodoxen Kirchen dahinter. Nachdem wir überall einmal herumgeguckt hatten, stellten wir gemeinsam fest, dass wir uns vom Kreml irgendwie alle mehr versprochen hatten. Vielleicht lag es am dem immer noch mega heißen Wetter, aber die Dinge hinter der Kremlmauer sind gerade als Nichtchrist nicht so wirklich spannend. Für die bezahlten 500 Rubel (7 Euro) wollten wir noch ein bisschen Action und machten uns den Spaß, die wachhabenden Soldaten durch das ständige Verlassen der Wege zu tyrannisieren, was diese prompt mit einem schrillen Pfiff aus ihrer Trillerpfeife quittierten.

Ehe wir es aber noch zu weit trieben, verließen wir aber lieber den Kreml und wollten eigentlich mit der Metro zum Stadtteil „Arbat“ fahren. Wir liefen dann aber unterhalb der Erde fast einen Kilometer und waren auch ohne Fahrt da. Das Metronetz ist bis zu 80 m tief und an den Stationen, wo mehrere Linien zusammenlaufen extrem weitläufig. Im Stadtteil „Arbat“ aßen wir noch etwas und gingen dann zu unserer Belustigung in verschiedenste Souvenirläden, wo man hier kuriose Sachen findet. So wollten wir zum Beispiel unbedingt die Salafisten-Matroschka auftreiben. Doch eigentlich waren wir hauptsächlich wegen Thommy da, der sich in den Kopf gesetzt hatte, ein Shirt von Putin zu erwerben, auf dem er oberkörperfrei auf einem Bären reitet. Allerdings gab es Putin angezogen auf einem Bären und so wich er auf ein anderes Putin-Shirt aus, dass wir euch morgen hier präsentieren wollen. Und nein, keine Angst, Thommy hat den Plan, das Shirt in der Ukraine zu tragen, schon verworfen. Eine weitere große Erheiterung gab es bei allerlei Matroschkas, darunter auch eine Merkel-Matroschka. In unserer „Mutti“ befinden sich Schröder, Kohl, Schmidt und zu unserer großen Verwunderung nicht der Typ mit dem Bärtchen, sondern Willy Brandt. So eine großartige Chance konnten wir uns nicht entgehen lassen und sind deswegen stolzer Besitzer einer original Bundeskanzler(in)-Matroschka. Ein dreifaches Hip-Hip-Hurra.

Um 17 Uhr trafen wir uns an der Metro mit Andrey, der uns noch ein bisschen in der Stadt herumführte. Vorbei ging es am Verteidigungsministerium, in dem es erst vor kurzem einen Brand gab zur Christ-Erlöser-Kirche, in der die Band Pussy Riot im Jahre 2012 regimekritische Äußerungen tat und deshalb sofortig weggeknastet wurden. Seit diesem Ereignis sind die Kontrollen strenger, so dass wir mit Shorts nicht ins Innere der Kirche kamen. Aber auch egal. Biertrinken ist wichtig! Darum ging es in eine von Andreys Freund neu eröffnete Kneipe, in der es 30 verschiedene Biere vom Fass gab. Danach fuhren wir mit drei Freunden von Andrey, unter anderem der Gitarrist von Purgen, mit der Metro noch in eine andere Kneipe, um dem Alkoholkonsum mit ein bisschen Essen entgegenzusetzen. Das Problem ist, dass die Russen  nicht nur zum Essen trinken, sondern sie trinken vor, beim und nach dem Essen. So mussten da schon zwangsweise mehrere Gramm Wodka, Meerettichschnaps und Zedernschnaps geleert werden. Weil das ja noch nicht reicht, wurde in einem illegalen Späti (nach 23 Uhr darf in Moskau kein Alkohol verkauft werden) noch eine Flasche Cognac und Cola besorgt, die dann in irgendeinem Hinterhof reihum ging. Wenn man da nicht ab und zu mal so tut, als ob man trinkt, erlebt man als Nicht-Russe den nächsten Tag wahrscheinlich nicht mehr.

Anschließend ging es noch mit dem Taxi wieder zum Campingplatz, da nachts auch keine Öffis mehr fahren. Gegen um 3 fielen wir dann nach 19 Kilometer Fußmarsch durch Moskau und voll wie drei Russen ins Zelt. Was ein Tag…

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Stalin
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Gräber an der Kremlmauer
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Dreifaltigkeitsturm – Eingang zum Kreml
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Links der staatliche Kremlpalast
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Glockenturm Iwan der Große im Kreml
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Maria-Verkündigungskathedrale im Kreml
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Links: Maria-Entschlafens-Kathedrale

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Christ-Erlöser-Kirche
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Christian, Thommy, Andrey, Oleg, Alex am frühen Abend – Bilder vom späteren Abend werden euch erspart

 


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