01.08.2016 – Fahrt nach Kiew

Der heutige Tag fing wie geplant und auch mal ausnahmsweise wirklich früh an. So klingelte um 7 Uhr der Wecker, das vom Tau noch nasse Zelt wurde abgebaut und ausgebreitet und nach der Trocknung eingepackt. Viertel 9 saßen dann alle mehr oder weniger ausgeschlafen im Auto und wir rollten vom Campingplatz herunter hinein in den dichten Moskauer Stadtverkehr. Als besonders nett kann man die Autofahrer hier nicht bezeichnen, so etwas wie hineinlassen existiert nicht, jeder denkt nur daran, so schnell wie möglich von Punkt A nach B zu kommen. Immerhin bekamen wir von einem russischen Fahrer einen Daumen hoch für unsere Reise und/oder unseren Aufenthalt in Moskau. Endlich aus Moskau heraus bremsten zunächst Baustellen unsere Fahrt, danach ging es weiter über schnurgerade Straßen in die Richtung Grenze zur Ukraine. Zweimal wurde noch getankt, denn schließlich kostet das Benzin hier nur umgerechnet 50 Cent. Auch in Weißrussland lag der Benzinpreis bei etwa 60 Cent. Da tankt man doch gerne.

Circa 16 Uhr nach russischer Ortszeit kamen wir an der Grenze an. Ein Häuschen, ein Schlagbaum. Ein Grenzer im Häuschen, einer steht davor und tippt auf seinem Handy, das Maschinengewehr liegt auf dem Fensterbrett. Grenzer guckt kurz von seinem Handy auf, tippt weiter. Wir warten 5 Minuten. Dann steigt Christian aus, Grenzer legt das Handy weg. Scheinbar hat er nur darauf gewartet, dass wir aussteigen, aber ohne uns das zu zeigen. Der Grenzer sagt, wir sollen vom Schlagbaum wegfahren und uns davor anstellen. Wie wir nach 5 Minuten mitbekommen, meinte er, dass wir uns zum Schlagbaum auf die andere Seite stellen sollen, aber da sind schon zwei Autos und ein Reisebus vor uns. Grenzer sammelt die Ausweise ein, geht ins Häuschen, kontrolliert, fragt, woher wir kommen, wohin wir wollen, ist auf einmal sehr gesprächig. Dreht uns noch ein Gespräch über Kaliningrad ans Bein, wir haben ja alle Zeit der Welt. Endlich geht der Schlagbaum auf. Zweite Haltestation auf russischer Seite. Grenzer Typ Stalin kommt an, guckt böse, bellt uns auf russisch an, was wir brauchen. Irgendetwas fehlt ihm. Er wedelt mit einem Wisch des Fahrers des vorderen Autos vor unserer Nase herum, wir zeigen ihm jeglichen Papierkram, den wir an der weißrussischen Grenze bekommen. Er wird zunehmend lauter, wedelt weiter. Endlich finden wir den richtigen Wisch. Puh, gerade noch einmal gut gegangen.

Weiter geht es zur nächsten russischen Kontrolle. Der Typ kann wenigstens Englisch, fragt uns nach unseren Jobs und unseren Wohnorten, wir müssen den halben Kofferraum ausräumen, wir werden nach Waffen und Alkohol gefragt. Der Grenzer lacht über Christian, der nur „Tri pivo“ angibt. Dann sitzen wir wieder im Auto und warten am Schlagbaum. Niemand sagt uns, dass wir noch einmal ins Häuschen zur Gesichts- und Passkontrolle müssen, wir bekommen das erst durch das nächste Auto mit. Schließlich haben wir alle einen Stempel in den Pass geknallt bekommen, Schlagbaum geht hoch, Ausreise aus Russland ist geschafft. Das ganze hat „nur“ eine dreiviertel Stunde gedauert.

Nun geht es weiter. Wir stehen vor der ersten ukrainischen Grenzkontrolle. Eine Grenzerin zeigt uns nur, wir sollen uns an der Seite hinstellen. Von der Gegenseite werden circa 50 LKW durchgelassen. Dann warten wir wieder. Ein Fahrer eines anderen Autos geht nun zur Grenzerin hin, Christian folgt ihm. Grenzerin weist in das Häuschen, der Fahrer guckt hinein und streitet sich mit der Grenzerin. Sie hat ihm nämlich gesagt, er solle sich an den Grenzer im Inneren des Häuschens wenden, dieser hielt da aber gemütlich seinen Nachmittagsschlaf. Also geht die Grenzerin neben ihrem schlafenden Kollegen ins Häuschen, kontrolliert Pass und Fahrzeugpapiere und wir fahren weiter.

Dann kommt die zweite ukrainische Grenzstation. Beim Warten sehen wir 5 Motorradfahrer, die mit uns auf dem Campingplatz in Moskau waren. Sie rufen hinüber, sie warten schon 3 Stunden – Ursache unbekannt. Na das kann ja heiter werden. Kurz darauf empfängt uns ein freundlicher englisch sprechender Grenzer und sammelt die Pässe und Fahrzeugpapiere ein. Nach kurzer Zeit kommt er wieder, gibt uns die Pässe zurück. Wir werden weiter gewunken. Auch von der Stelle der Durchsuchungskontrolle werden wir weiter gewunken. Echt jetzt? Warum werden wir nicht durchsucht? Aber gut, nicht beschweren, weiter fahren. Wir sind schon fast bei der dritten Station, da ertönen von hinten Pfiffe und an der dritten Station erwartet man uns schon mit einem Grinsen und einer Handbewegung, die eindeutig sagt – gehen sie nicht über die Grenze und fahren sie nicht nach einer Stunde Warten davon. Also Rückwärtsgang rein und zurück zum freundlichen Grenzer. Also doch noch Kofferraum-, Handschuhfach-, Dachbox- und Motorhaubenkontrollen. Das ging ja dann doch noch schnell. Dann die ernüchternde Neuigkeit. Gerade wären die Computer zur Registratur ausgefallen, es könnte noch so eine viertel Stunde dauern. Wir sollten uns an den Rand hinstellen und warten. Nach einer halben Stunde kommt er nochmal und sagt, dass es doch länger dauert. Wir breiten schon einmal die Schlafsäcke aus, das kann dauern. Nach über einer Stunde dann der Ruf unseres Grenzers – wir sollen kommen. Er sagt: „Welcome to Ukraine!“ und gibt uns einen kleinen Zettel mit. Bis dahin haben wir insgesamt über 2,5 h Stunden an der Grenze verbracht, die Motorradfahrer insgesamt über 5 h. Wir geben den kleinen Zettel an der dritten ukrainischen Station ab, der Grenzer ruft uns noch hinterher: „Green Card Ukraine?“ und nach einem „da“ sind wir tatsächlich in der Ukraine. Immerhin wird uns durch die Zeitverschiebung nun eine Stunde wieder gut geschrieben. Alles in allem – Grenzüberquerung- was ein Spaß bei 34 Grad.

Nun aber weiter auf der ziemlich guten und schnurgeraden Straße Richtung Kiew. Wir haben langsam das Gefühl, wir hätten das Lenkrad auch auf der Strecke Berlin-Moskau auf gerade arretieren können, um in Moskau einmal scharf rechts abzubiegen und es dann wieder auf gerade festzustellen. Die hügelige Straße führt vorbei an endlosen Korn-, Mais- und Sonnenblumenfeldern. Etwa 80 km vor Kiew wird es dunkel, was nicht gerade gut ist, da ab hier auch die Straßen voller Buckel und Spurrillen sind. Aber nun schaffen wir es auch noch. Die Stadt ist noch einmal eine Herausforderung. Alle sind müde, es ist dunkel und die Kiewer fahren wie die Henker. Busse mit unzureichend funktionierenden Bremsen und ein Fahrer, der uns auf einer einspurigen Straßenauffahrt rechts überholte, waren da die härtesten Sachen. Nach 14,5 h Stunden Fahrt kommen wir 23 Uhr endlich am Hostel an. Eigentlich hätten wir uns ein Dreierzimmer gewünscht, um nach dem heftigen Tag etwas Ruhe zu haben, bekamen aber nur ein Zehnerzimmer, dass aber mit uns nur mit 6 Leuten belegt ist. Um den ärgsten Hunger zu stillen, gingen wir noch um die Ecke etwas essen und duschten. Eigentlich wäre es nach 14,5 h wahrscheinlich richtig gewesen, sofort ins Bett zu schlüpfen. Aber irgendwie waren dann alle noch so aufgedreht, dass wir noch bis um 3 Uhr mit anderen Leuten aus dem Hostel auf der Terrasse saßen und Bier und Wodka tranken. Thommy war dadurch so euphorisiert, dass er direkt noch einmal bis um 6 Uhr mit den Hostelleuten zur Kneipentour aufbrach. Wir entschieden uns nach so einem Tag dann doch lieber für doch für das Bett in dem circa immer noch 30 Grad heißen Zimmer…

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Das Zelt wird verpackt – Es kann los gehen
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Endlose, hügelige Straße bis Kiew
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Abendstimmung

Ein Gedanke zu “01.08.2016 – Fahrt nach Kiew

  1. Hallo ihr Weltreisende,es ist von zu Hause schön eure Reiseroute zu verfolgen. Man bekommt ja von hier aus schon Komplexe, wenn man von den Abenteuern bei Grenzübergängen liest. Für alte Herzen wäre das nichts mehr.
    Wir wünschen euch weiterhin eine gute Fahrt und weniger Stress bei Grenzüberquerungen.
    Liebe Grüße Opa Rolf und Erika

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