06.08.2016 – Fahrt nach Odessa und Moldawien

Am Morgen um 08 Uhr gingen wir den anderen Hostelbesuchern schön aufs Schwein, weil wir noch unseren restlichen Kram einpacken mussten. Im Supermarkt wurde noch einmal schnell Wasser und Brot für die Reise nach Odessa besorgt. Obwohl Thommy mindestens noch fünfmal betonte, wie gern er doch hierbleiben würde, entschied er sich dann doch, ins Auto einzusteigen und los ging es. Wir alle waren froh, verkehrsmäßig herauszukommen, denn die Fahrweise der Kiewer war echt bis jetzt von allen am schlimmsten. Auf der Fahrt mussten wir noch einmal zur Tanke heranfahren, was hier normalerweise so funktioniert, dass man erst zahlt und dann betankt wird oder selbst tankt. Also ging Christian hinein, zahlte und ging dann nochmal auf Klo. Als er wiederkam, wollte er schon losfahren, als auf einmal ein Geschrei losging. Der Tankwart war noch immer beim Tanken und Christian war mit Tankschlauch im Tank losgefahren. Niemand wusste, was der Tankwart in der restlichen Zeit außer Däumchendrehen gemacht hat, aber er hatte scheinbar erst vor kurzem angefangen. Also tankte er noch zuende und dann ging es weiter.

Über teils gute, größtenteils aber ziemlich ramponierten Straßen mit kniehohen Spurrinnen holperten wir in Odessa ein und steuerten gleich das erste Hostel an. Nach einen uringetränkten Eingang standen wir auf einmal auf der Parallelstraße. Nein, hier war wohl nichts. Das nächste Hostel machte einen guten Eindruck, musste uns aber vertrösten. Ohne Booking – keine Chance. Alle Betten voll in Odessa. Der Besitzer war aber sehr nett und ließ uns das Wifi im Hostel nutzen, um einen Schlafplatz zu suchen. Wir fanden auch ein Hotel, reservierten und standen 10 Minuten später vor der Tür. Nach einigem Hin und Her und Sprachproblemen (Englisch ist in der Ukraine und Russland bei sehr vielen noch nicht so wirklich angekommen), konnten wir die Zimmer sehen. Es bot sich ein Bild des Grauens. Im Flur stand rauchend die Reinigungsfrau und aschte vergnügt neben den Papierkorb. In den Zimmern ohne Fenster lief die Toilettenspülung, die Klimaanlage war kaputt und es schimmelte. Mh, dann lieber doch nicht. Wir überlegten kurz in der angenehmen Atmosphäre der Autoklimaanlage, was wir machen. Draußen war die Temperatur inzwischen auf geschmeidige 44 Grad gestiegen. Christian wollte gerne nach Odessa, während ich nicht unbedingt wollte, weil ich dachte, Odessa sei eine touristenüberflutete Bonzenstadt. Im Endeffekt sah die Stadt echt heruntergekommen aus. Es gibt viele schöne alte Häuser, die aber in einem bedauernswerten Zustand waren. Irgendwie fühlten wir uns hier alle nicht so zuhause, also beschlossen wir, noch schnell die Potemkinschen Treppen hochzulaufen und in die Stadt zu gucken, etwas zu essen und weiterzufahren. Auch die „Sehenswürdigkeiten“ Odessas flashten uns nicht so wirklich und das ausgeguckte Restaurant war nicht zu finden. Den Sardinenbüchsenstrand wollten wir uns auch nicht anschauen. Schnell wieder weg hier. Vielleicht waren wir unfair gegenüber der Stadt, vielleicht kommen wir irgendwann für einen zweiten Versuch wieder.

Im Auto beschlossen wir, noch heute die Grenze zu Moldawien zu überqueren. Es war auch nicht schlimm, dass wir noch kurz in Odessa waren, da wir sowieso den Grenzübergang Majaky/Palanca nehmen wollten, um nicht zuerst im nicht anerkannten Staat Transnistrien zwischen Moldau und der Ukraine einzureisen. Kurz nach Majaky kommen wir dann zum ersten Grenzhäuschen, an dem schon am Seitenrand eine lange Schlange mit ukrainischen Autos steht. Aus der jetzigen Erfahrung haben wir ja schon gelernt, dass schön deutsches Warten und Schlangestehen scheinbar nicht richtig ist, sondern man immer den Grenzern direkt auf den Keks gehen muss. Also dreist an der langen Schlange vorbei gefahren. Der Grenzer fragt auf russisch „Wohin?“ und wir „Moldavia“, er gibt uns einen kleinen Schnippsel in die Hand und weiter geht es. Da kommt auch schon die moldawische Grenzstation. Wir freuen uns schon, dass die Ausreise aus der Ukraine so einfach war, da wird uns von einer ausnahmsweise mal englisch sprechenden Grenzerin erklärt, dass das Schnippsel scheinbar nur ein Transitschnippsel ist, um durch das Niemandsland zu fahren. Wir sollten 3 km weiter fahren, dort die ukrainische Ausreise machen und mit einem doppelt so großen Schnippsel wieder kommen. Über die Straße mit mega hohen Spurrinnen kamen wir zum Grenzübergang. Bis dahin waren wir leider schon drei mal aufgesetzt, obwohl wir schon aufpassten wie ein Schießhund. Dann wurde die Zollabfertigung und an einem anderen Häuschen die Passkontrolle erledigt und nach nicht mal 15 Minuten fuhren wir schon wieder aufsetzungsfrei zurück zur moldawischen Grenze. Dort war nun nicht mehr die englischsprechende Grenzerin, sondern ein Scherzkeks von einem Grenzer, der seine Elementarkenntnisse in Englisch, Deutsch, Russisch, Französisch und Spanisch an uns ausprobierte und uns mit einem „Good luck“ nach Moldawien entließ. Über eine herrliche Straße ging es im Sonnenuntergang durch Dörfchen und an endlosen Feldern vorbei. Moldawien ist das ärmste Land Europas, aber was wir da sahen, hätte uns vollständig zum Leben gereicht. Wer in Deutschland kann sich schon ein eigenes Haus finanzieren und kann behaupten, noch wirklich selbst viel von dem, was er verbraucht, selbst zu produzieren. Ein einfaches Leben ist zumindest für uns nicht sofort ein armes Leben.

Da es jetzt schon dunkel wurde und wir seit dem Autofrühstück nicht wirklich viel zu essen hatten, beschlossen wir, nicht mehr nach Chisinau, sondern nur nach Causeni zu fahren. Dort hatte ich mit dem freien Wifi an der Grenze schon das einzige Hotel und Restaurant ausgemacht. Wir hofften alle sehr, dass die bisherige starke Vernachlässigung des religösen Programms niemanden da oben verärgert hätte. Aber man hatte scheinbar Mitleid, es gab noch ein ordentliches Zimmer, obwohl wir mittlerweile auch sonstwo geschlafen hätten. Im Restaurant bestellte gleich jeder eine große Pizza. Das Warten wurde allerdings zur Geduldprobe, da gerade im Restaurant eine große Familienfeier lief, die alles laut mit traditioneller Fiddelmusik verbunden mit wehklagenden Gesängen beschallte. Doch endlich bekamen wir etwas zwischen die Kiemen und gingen dann auch gleich hoch schlafen. Gegen 12 Uhr wurde die Musik auch leiser, so dass man einschlafen konnte. Jedenfalls bis um 3 Uhr, als uns alle „Moskau“ von Dschinghis Khan im Bett stehen ließ. Von da an ging nochmal über eine Stunde richtig die Luzi ab. Im Hinterhof fuhr daweil ein Transporter gegen die Wand und Thommy musste unbedingt noch bei Festbeleuchtung auf Mückensuche gehen. Irgendwann fielen einem dann doch aber nach dem langen Tag endlich wieder die Augen zu…

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Odessa- schön ist anders
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Das Beweisbild

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