08.08.2016 – Transnistrien

Heute hatte irgendwie jeder vergessen, das Handy zu stellen, so dass wir erst gegen 11 erwachten. Wir hatten gestern hin- und herüberlegt, nach Transnistrien oder gleich weiter nach Rumänien zu fahren. Uns hatte die Begegnung mit dieser korrupten Gurkentruppe so abgeschreckt, dass wir nicht sicher waren, ob wir wirklich einen Ausflug nach Transnistrien machen sollten. Da es nun aber schon so spät war und ein befreundeter Roadtripper uns den Tip gab, bei der nächsten Begegnung mit diesen Affenköpfen einfach immer nur zu sagen: „Alemanni, Germany, nix verstähn“, bis sie genervt aufgeben, nahmen wir uns doch ein Herz und brachen in das Land auf, dass offiziell gar nicht existiert. Denn Transnistrien wird zwar von anderen unanerkannten Staaten anerkannt, aber von keinem anerkannten und gehört so völkerrechtlich zu Moldawien. Die Abspaltung Transnistriens erfolgte gegen Ende der 80-er Jahre, als in Moldawien eine nationalistische moldawische Bewegung die Macht erlangte und Minderheiten stark in deren Freiheiten begrenzte. Auf dem Gebiet des heutigen Transnistriens lebten viele Russen und Ukrainer, die nun begannen, sich zusammen zu schließen und gegen die Beschneidung ihrer Rechte zu wehren. Das spitzte sich zu und endete im 1992 im Transnistrienkrieg, der über 1000 Menschenleben forderte und nach einem halben Jahr beigelegt wurde. Seitdem ist der Konflikt eingefroren.

In Bendery fuhren wir dann über die Grenze. Dort musste Christian für die Einfuhr des Autos, die Maut und das Ausfüllen der Papiere bezahlen. Das man etwas bezahlen musste, war uns von vornherein klar, ob nun 18 € gerechtfertigt waren oder nicht, konnten wir so nicht beurteilen. Die Berichte im Internet sind alle völlig verschieden. Da wir nun das ganze Geld an der Grenze abgedrückt hatten, hatten wir nur noch 5 € dabei und hatten etwas Angst, in Transnistrien zu verhungern. Also gingen wir in der Hauptstadt Tiraspol nochmal an den Bankschalter und wollten mit der Visa 200 transnistrische Rubel abheben, was umgerechnet etwa 20 € sind. Da die Banktante aber scheinbar nicht verstand, waren wir dann auf einmal stolze Besitzer von 200 Dollar, von denen wir dann nochmal aber wirklich noch eimal 200 Leu wechselten. Anschließend holten wir uns im Supermarkt ein paar kleine Snacks, unter anderem ein paar Salzgurken. Thommy meinte beim Genießen dieser, dass jeder Staat, der ordentliche saure Gurken macht, als Staat anerkannt werden sollte. Wenn mal alles so einfach wäre…

In Transnistrien ist die Anlehnung an Russland deutlich zu erkennen. Kyrillische Schrift, Hammer und Sichel in der Flagge und Leninstatuen zeigen ganz eindeutig, wo sich das Land anlehnen möchte. Obwohl Julian (unser befreundeter Roadtripper) so groß Werbung für das Land als letzte sozialistische Republik und eingefrorene Sowjetrepublik machte, konnten wir das nicht so bestätigen. Eigentlich machte das Land mit englisch sprechenden Grenzern, neuen Straßen und mega viel Auswahl im Supermarkt einen sehr fortschrittlichen Eindruck. Wir schauten uns noch das Denkmal für die Gefallenen im transnistrischen Krieg an, drehten noch eine Runde durch Tiraspol und fuhren dann wieder (ohne Polizeikontrollen und ohne Probleme) nach Chisinau zurück. Wir waren auch froh, keinen Unfall oder Autoprobleme in Transnistrien gehabt zu haben, da der ADAC in einem Land, dass nicht mal existiert, nicht tätig wird.

Beim Abendessen zogen wir uns noch einmal eine extra Portion Knoblauch hinein, um gewappnet morgen in Transsilvanien/Rumänien einfahren zu können.

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Grenzübergang – ein bisschen sowjetisch, ein bisschen glitzi glitzi
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Ortseingangsschild
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Leninstatue vor dem Regierungsgebäude

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Erinnerungstafel an die Opfer des transnistrischen Krieges
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Kirche und Panzer

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