21.10.2016 – Horton Plains / Land´s End und Weiterfahrt nach Ella

Um 4.45 Uhr riss uns der Wecker unsanft aus dem Schlaf. Also packten wir noch schnell die Marschverpflegung und alles Nötige zusammen, ließen die großen Rucksäcke in der Unterkunft und pünktlich 5.30 Uhr stand auch schon Sivakumar da, so dass die Fahrt losgehen konnte. Das Ziel, was wir in 1,5 h erreichen sollten, waren die Horton Plains und das „Land´s End“ – das Ende der Welt. Dabei handelt es sich um einen Nationalpark, der auf einer Hochebene von circa 2200 m liegt. Das Hochland ist hauptsächlich mit Regenwald und Grasland bewachsen und gehört seit 2010 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Viele der hier lebenden Tiere und Pflanzen kommen endemisch, das heißt nur in den Horton Plains und sonst nirgendwo anders vor.
Christian schlief schön im Minibus (ein Hoch auf die Glücklichen, die im Sitzen schlafen können), während der sich ächzend und keuchend die Serpentinen hinauf schleppte. Sivakumar schickte vor dem steilen Stück noch ein schnelles Gebet hoch an die Fahrzeugdecke zu Hindugott XY und ich vertraute eben darauf, dass die Sri Lanker vor Kurven wenigstens einsehen würden, dass man vielleicht erst einmal gucken sollte, ob da etwas entgegen kommt. Das half scheinbar, denn wir kamen gegen 7 Uhr etwas fröstelig auf den Horton Plains an. Dort musste erst einmal der gepfefferte Eintritt für Ausländer bezahlt werden, der bei 31 € für uns beide plus einer Servicegebühr von 7 € lag. Während Essen hier sehr billig und auch die Unterkünfte eher günstig sind, schlagen Eintritte kräftig zu Buche. Dass bei Sehenswürdigkeiten ein spezieller Preis für Ausländer erhoben wird, haben wir auch so noch nie in einem anderen Land gesehen. Im Gegensatz zu den anderen Sehenswürdigkeiten sah man aber bei den Horton Plains, dass das Geld tatsächlich auch eingesetzt wurde. Am Eingang stehen neben Hinweisschildern zum Umweltschutz auch mehrere Angestellte, welche die Rücksäcke nach Plastikmüll durchsuchen und Plastikbanderolen von Flaschen entfernen. Schade, dass nicht überall in Sri Lanka so ein Gespür für Umweltschutz gezeigt wird.
Etwa 500 m nach dem Eingang spaltet sich der Rundweg und wir entschieden uns für den, wo weniger andere Touristen (insbesondere die echt laute Gruppe Chinesen) lang ging. Das war die richtige Entscheidung, denn sobald wir die Gruppe von schnatternden sri lankischen Schulmädchen hinter uns gelassen hatten, konnten wir im ersten Stückchen Regenwald die Stille genießen. Nach etwa 2 km kamen wir zur ersten Attraktion auf dieser Rundtour, dem „Small Land´s End“. Hier senkt sich die Landschaft abrupt um 270 m Tiefe. Wir genossen den Ausblick, bis es uns zu laut wurde und wir weiter zum richtigen Ende der Welt liefen. Der Weg ging weiter durch den Wald, bis dieser immer lichter wurde und man auch keinen Horizont mehr erkennen konnte. Kein Wunder, denn wir liefen auf eine Steilklippe von 870 m zu. Jetzt hatte sich das frühe Aufstehen gelohnt, denn ab 10 Uhr kommen hier Wolken auf und man sieht mit Glück noch so viel, dass man nicht über die Klippe segelt. Absperrungen gibt es keine, so dass man vorsichtig sein muss, dass man nicht zu einem derer gehört, die hier schon die Klippe auf nimmer Wiedersehen verlassen haben. Erst letztes Jahr ist hier ein Niederländer auf Flitterwochen beim Fotographieren seiner Frau abgesegelt. Wahrscheinlich hat er einen besonderen Schutzengel gehabt, denn er landete 45 Meter tiefer auf einem Baum und konnte mit viel Mühe geborgen und wieder hergestellt werden. Christian, der etwas Höhenangst hat, konnte gar nicht oft genug betonen, dass ich doch bitte nicht so nah herangehen oder am Abgrund sitzen soll. Mit grandioser Aussicht verzehrten wir ein paar Bananen und etwas Brot mit (günstigen) Streichkäse und weiter ging es durch die grasbewachsene Hochebene. Die Ruhe hier ist phantastisch, obwohl die Tiere sich wohl lieber aufgrund des doch etwas höheren Touristenaufkommens in die anderen Teile des Nationalparks verzogen. Die letzte Station auf der Rundtour waren die Baker´s Falls, zwanzig Meter hohe Wasserfälle. Der steile Aufstieg dahin wurde nicht wirklich belohnt, denn trotz Regenzeit floß nur wenig Wasser über die Wasserfallklippe. Nun hieß es aber, sich zu beeilen, denn wir sollten circa 9.30 Uhr wieder bei Sivakumar am Minivan sein. Mit ein paar Minuten Verspätung trafen wir dort ein und machten uns auf den Rückweg. Dieser wurde dadurch gebremst, dass wir an drei verschiedenen Bahnübergängen auf den gleichen, langsamen Zugtreibwagen warten mussten, bis der Bahnwärter endlich per Hand die Schranken aufschob. Angekommen an der Unterkunft verabschiedeten wir uns dankend von Sivakumar, duschten und ruhten uns noch etwas aus, bis wir uns vom TukTuk zum außerhalb von Nuwara Eliya gelegenen Bahnhof bringen ließen. Dort wollten wir noch etwas vor der Zugfahrt essen, was sich als etwas schwierig herausstellte. Rund um den Bahnhof in Nanu Oya gibt es nur eine Handvoll „Restaurants“, von denen eins schäbiger als das andere ist. Zudem wird auch Alkohol ausgeschenkt (aufgrund den vorherrschenden Religionen ist das eher eine Seltenheit, Alkohol ist auch nicht günstig), denen einige Sri Lanker dort wohl mächtig angetan waren. Weil wir Hunger hatten, setzten wir uns in einen Laden, der….sagen wir es so…selbst an schlechten Tagen ist unser Badezimmer inklusive Toilette sauberer…und bestellten vegetarisches Curry und Reis. Entgegen jeglicher Erwartung war das Essen; wenn man den Müll auf dem Boden, die unzähligen Fliegen und die Alkoholiker am Nachbartisch, die nicht wie üblich, mit den Fingern, sondern mit der ganzen Hand (fr)aßen, vernachlässigt; sehr schmackhaft und mit 1,30 € zudem auch sehr günstig. Während wir auf den Zug warteten, beteten wir zum Gott der Verdauung und hofften, dass das schmackhafte Essen nicht unverzüglich das Tageslicht wiedersieht. Aber- alles gut.
Bei der Zugfahrt nach Ella holten wir beide noch etwas Schlaf nach und aßen als kleine Nachspeise ultra leckere Passionsfrüchte (Maracuja). Was machen wir nur in Deutschland ohne das ganze frische, günstige Obst?
In Ella angekommen suchten wir zusammen mit unserem TukTuk-Fahrer und dem Besitzer einer anderen Pension unsere Unterkunft und fanden sie schließlich auch. Ella ist ziemlich touristisch, so dass man hier für sri lankische Verhältnisse schon etwas höheren Preis von 18 € die Nacht nur ein ganz einfaches Zimmer mit Bad bekommt. Wir sind aber ja schließlich nicht zum Luxusurlaub hier und so war das schon okay. Zum Abendessen gab es entgegen unserer Gewohnheit, möglichst traditionell zu essen, Pizza für Christian und mein Lieblingsgericht Nudeln mit Tomatensauce. Ehrlich, auch wenn die Sri Lanker wirklich jeden Tag (kein Scherz!) Curry and Rice essen, können wir das nicht und brauchten mal etwas Abwechslung zwischendurch. Es war auf jeden Fall sehr lecker, auch wenn der Riesen Teller Nudeln mir mal wieder nicht reichte (Merke! In Deutschland endlich mal auf Bandwurm untersuchen lassen 🙂 ). Nach diesem langen, anstrengenden Tag ging es mal wieder früh ins Bette.

 

 

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Ziele an diesem Tag

 

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Graslandschaft in den Horton Plains
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Farbenspiel
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Small Land´s End

 

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Unter den Schuhen 270 m Nichts

 

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Land´s End

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Auf der Klippe zum Land´s End

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Baker´s Falls

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Zug nach Ella
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Tee

 

 

 

 

 


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