22.10.2016 – Ella

Heute nacht um 2 Uhr geschah etwas, was wir schon den Abend zuvor befürchteten. Etwa 300 m weit weg liegt ein buddhistischer Tempel, von dem schon am Tag der Ankunft getrommelt, gesungen und auf einer Art Schlangenbeschwörungstrompete geblasen wurde. Das hatten wir auch schon in Kandy gehört, weil so zwei- bis dreimal am Tag ein Gebet stattfindet, wo sich viele Gläubige im Tempel versammeln. Heute Nacht um 2 Uhr wurde jedenfalls mal spontan eine Gebetsrunde einberufen. Trommeln, Schlangenbeschwörungstrompeten und Gesang (Gejodel) durchs Mikrofon. Also schnell die Ohropax ausgepackt und weiter ging der Schlaf. Jedenfalls bis etwa 4 Uhr, denn dann gingen die Irren mit Gesang und Getrommel durch das Dorf. Da wir oben in der Tür eine Holzschnitzerei ohne Fenster haben, klang das in etwa so, als würde man 10 cm vom Ohr entfernt auf eine übergroße Trommel schlagen. Schlaf trotz Ohropax zwecklos. Nach einer Stunde beendeten die Leute netterweise ihren Rundgang direkt vor der Unterkunft und beschränkten das trommeln, trompeten und jodeln wieder auf den Tempel. Wie gut, dass etwa um diese Uhrzeit der Baulärm vom benachbarten Grundstück begann. Dank Ohropax konnten wir jedoch trotzdem noch etwas länger schlafen. So lang, dass es, als wir aufbrachen, in der kleinen Stadt kein Frühstück mehr gab und wir auf Omelett und Kottu (Reisteigpfannkuchen) gefüllt mit Honig und Kokos ausweichen mussten. Da es jetzt um 11 Uhr auch schon wieder schrecklich warm war, beschlossen wir, heute keine längere Wanderung zum Little Adam´s Peak oder zum Ella Rock zu machen, sondern nur an den Schienen entlang zur Nine Arches Bridge (Neun-Bogen-Brücke) zu laufen. An den Schienen lang laufen ist zwar strengstens verboten, aber die Züge sind so langsam und laut, dass man schon lahm und taub sein müsste, um überfahren zu werden. Die Sonne schien auf der halbstündigen Wanderung unbarmherzig, so dass wir froh waren, bei der Ankunft im Schatten mit kühlen Lüftchen zu sitzen und uns mit einer kleinen Wassermelone zu erfrischen. Nachdem wir ausgiebig die Brücke und die Bauarbeiter, die mit einfachsten Werkzeugen versuchten, die Schienen zu erneuern, bewundert hatten, ging es in gleißender Sonne zurück. Bei der Unterkunft aßen wir etwas Brot mit Mangochutney, Passionsfrüchte und eine Avocado und relaxten noch etwas.
Mittlerweile hatte es zu regnen angefangen, so dass wir mit Regensachen zu unserem gestern gebuchten Kochkurs im Spice Garden (Gewürzgarten) trabten. Dort kamen wir dank Christian viel zu früh an und nutzten die Zeit, um dahin zu gehen, wo der Pfeffer wächst, nämlich in den Gewürzgarten der Kochschule. Dann war es aber auch schon 17 Uhr und zusammen mit 4 weiteren Deutschen und zwei Israelis zeigte uns unser junger Kochkursleiter im Haus seiner Mutter erst verschiedene Gewürze der sri lankischen Küche. Er erklärte uns, welche Gewürze man in welchen Mengen für ein gutes Currypulver braucht. Wir ahnten es schon- das gelbe Zeug, was man so in Deutschland erhält, hat nicht wirklich viel mit einem richtigen Currypulver zu tun, das man wiederum zur Herstellung des gleichnamigen Gerichts braucht. Sehr kleinschrittig und gut verständlich wurden uns dann verschiedene Gerichte gezeigt, deren Zutaten wir jeweils in unserem kleinen Rezeptbuch festhalten mussten. Wir bereiteten so verschiedene Currys zu – Dhalcurry, Kartofffelcurry und Knoblauchcurry. Für letzteres haben wir für 8 Personen sage und schreibe 160 Knoblauchzehen geschält. Außerdem wurde uns gezeigt, wie wir richtig Reis kochen (ja, auch das muss gelernt sein) und Papadams (eine Art Chips) zubereiten können. Als letztes kam noch ein Gerät zum Einsatz, das man garantiert nicht in Deutschland finden wird. Mit einem Kokosnussschaber (der ähnlich wie eine manuelle Nussreibe funktioniert), wurde das Innere einer Kokosnuss gerieben und dann mit im Mörser zerstampften Chilies, Gewürzen und Limette vermengt. Das ergab dann Kokosnuss-Sambol, eine Art würzigen Dip, den man hier in verschiedenen Variationen zu traditionellen Essen bekommt. Zwischendurch erzählte der Kochkursleiter interessante Dinge aus der sri lankischen Küche und klärte uns auf, dass das Gelärm aus dem Tempel wohl mit den Feierlichkeiten zum Ende der Regenzeit zu tun habe. Er konnte uns aber nicht sagen, ob die Feierlichkeiten heute fortgesetzt werden.
Endlich am Tisch ließen wir uns die selbst zubereiteten Köstlichkeiten schmecken. Wir sind geschmacklich scheinbar schon richtige Sri Lanker, denn wir mussten das Essen, indem zuvor schon etliche Chilischoten und Chilipulver verschwunden waren, noch mit Chiliflocken nachwürzen. Übrigens seid ihr hiermit alle recht herzlich eingeladen, unsere Versuchskaninchen in Deutschland in Bezug auf sri lankisches Essen zu spielen. Es war ein sehr schöner und informativer Abend, den wir leider etwas abrupt und ohne abendlichen Umtrunk beenden mussten, da es Christian nicht so gut ging. Mittlerweile ist aber wieder alles in Ordnung, so dass wir morgen früh unsere Reise mit dem Bus fortsetzen können. Wir hoffen sehr, dass die Fahrt nach Tissamaharama nicht wieder so eine nervenzehrende Hitzeschlacht wie die Fahrt nach Sigiriya wird.

 

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Im Tunnel kurz vor der Nine Arches Bridge
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Nine Arches Bridge

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Spice Garden
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160 Knoblauchzehen
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Zutaten für das Knoblauchcurry
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Zutaten füt das Dhal Curry
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Endlich gibt es Essen

 


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