14.04.2017 – Petra

Heute war er also da- der Tag der Hauptsehenswürdigkeit Jordaniens. Schon um 6 Uhr klingelte heute früh der Wecker, also standen wir mehr als verpeilt auf, schoben uns lustlos das Frühstück zwischen die Kiemen und starteten dann in das etwa 5 Autominuten entfernte Petra. Okay, warum können die faulen Hunde nicht das Stückchen zu Fuß gehen, fragt sich vielleicht einer. Die Antwort kommt gleich noch.
Petra gehört zu den aktuellen sieben Weltwundern und ist UNESCO-Weltkulturerbe. Es handelt sich um eine Stadt, die von den Nabatäern gegründet wurde. Diese bevölkerten nach Quellen etwa 300 v. Chr- 300 n.Chr. als anfangs nomadisierende, später sesshafte Kultur die Region von Syrien bis Medina und westlich bis Sinai und kontrollierten und vermittelten dort vor allem Handelsgeschäfte zwischen Norden&Süden und Osten&Westen. Sie erwählten Petra als ihre Hauptstadt und schufen dort gewaltige Bauwerke, von denen die meisten aus dem rötlichen Sandstein heraus geschält wurden. Erst im 19. Jh. wurden diese Bauwerke wiederentdeckt und Stück für Stück (und auch nur teilweise) wieder freigelegt.
Gegen 08:30 bezahlten wir den doch heftigen Eintritt von 50 JD (66 €) pro Person und näherten uns den Bergformationen, hinter denen Petra (gr. „Fels“) verborgen liegt. Zunächst muss der Siq, ein 1,2 km langer und teilweise nur ca. 2 m breiter Canyon durchschritten werden. Der rötliche Fels, der mit Bändern aus verschiedenen Mineralien durchzogen ist, ragt bis zu 100 m hoch hinauf. Während man noch hinauf guckt, endet plötzlich der Siq und man steht vor dem wohl beeindruckendsten Bauwerk Petras- der „Khazne Faraun“, der Schatzkammer des Pharao. Obwohl sich nie ein Schatz finden ließ, ist der Anblick der 43 m hohen und 25 m breiten „Schatzkammer“ einfach atemberaubend. Kaum vorstellbar, wie um diese Zeit ein Werk wie dieses bautechnisch umgesetzt werden konnte. Nachdem wir uns einigermaßen satt gesehen hatten, gingen wir zum Theater weiter, in dem etwa 8000 Menschen Platz fanden. Immer wieder sahen wir schon auf dem Weg etwas, wofür die Nabatäer neben Handel und dem Bau von Wassersystemen noch bekannt waren, nämlich eine ausgeprägte Totenkultur. Allein in dem ausgegrabenen Teil findet man über 1000 Gräber, wovon die größten und beeindruckendsten an der so genannten Königswand gegenüber vom Theater liegen. Haushoch wurden hier 4 wichtigen nabatäischen Königen und einem römischen Statthaltern Mausoleen als Zeichen der Ehrerbietung in den Fels geschlagen. Nun wurde es etwas sportlicher. Über gefühlte 600 Treppen gingen wir etwa 40 min den Weg steil auf das El-Khubta-Massiv hinauf, an dessen Ende uns ein Blick hinunter auf die Schatzkammer des Pharao belohnte. Eben hatten wir noch selbst unten gestanden, jetzt genossen wir von oben den Blick auf die ameisengroßen Menschen und das noch immer gigantische Bauwerk. Wieder unten angekommen, ging es über die alte römische Straße zum Quasr-El-Bint, dem der Pharaonentochter geweihten Haupttempels, der gleichzeitig mit 23 m Höhe das höchste freistehende (und nicht aus dem Fels gehauene) Bauwerk Petras darstellt.
Dort stärkten wir uns erstmal ordentlich und ruhten uns aus, denn gleich sollte der anstrengendste Teil der Wanderung erfolgen. Über 800 Treppen und 200 Höhenmeter erreichten wir Ed-Deir, das so genannte „Kloster“. Obwohl die Verwaltung von Petra das nicht gutheißt, bieten noch immer viele Beduinen an, Touristen mit Kamelen oder Eseln von einem Punkt zum anderen schleppen zu lassen. Noch nie haben wir in einer Sehenswürdigkeit so schlecht vorbereitete Leute wie hier gesehen. Weiße Schuhe und Klamotten, Sandalen, keinen Schluck Wasser dabei. Mal ganz abgesehen davon, dass es wohl so ein bisschen in der Mentalität der Deutschen liegt, immer für einen kleineren Atomkrieg gerüstet zu sein, ist das immer noch besser, als irgendwo hinzufahren, nur „um da gewesen zu sein“. Wir haben tatsächlich Leute gesehen, die von einem Tier auf nächste umgestiegen sind, ohne auch nur einen Schritt zu laufen. Der Weg zum Ed-Deir hinauf ist extrem anstrengend. Dass es das auch für die Esel ist, wenn sie unter Peitschenhieben teils enorm übergewichtige Touristen Tag ein, Tag aus hinauf- und hinunterbuckeln müssen, scheint letzteren nichts auszumachen. Wir waren jedenfalls kaputt, aber froh, mit eigenen Füßen am 48 m hohen und fast ebenso breiten „Kloster“ anzukommen. Es ähnelt stark der Schatzkammer, ist aber weniger reich verziert, dafür aber noch gewaltiger als dieses. Von da aus nahmen wir unsere letzte Kraft zusammen und gingen auf eine Anhöhe, um sowohl nochmal das Kloster von oben, als auch den weiten Blick über die umliegende Landschaft schweifen zu lassen. Nun stand aber auch schon der Rückweg an. Den ganzen Weg schleppten wir uns wieder zurück. Christian, der meine Krankheit geerbt hatte, war glaube ich nie so froh, am Auto, das wir am Eingang geparkt hatten, anzukommen. Hätten wir nun noch zum Hotel laufen müssen, hätte ich Christian wahrscheinlich den Berg hocheseln müssen. Wir hatten wirklich Glück, dass es an diesem Tag nicht unwahrscheinlich heiß war, sonst hätten wir die große Runde wahrscheinlich nicht geschafft.Nach einer wohltuenden Dusche traten wir für den Tag den letzten Gang zum Abendbrot an und ließen es uns so richtig gut gehen. Schon beim Essen klappten uns fast die Augen zu und so fielen wir heute wie die Steine ins Bett.

 

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Obeliskengrab
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Weg durch den Siq
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Siq
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Die Schatzkammer- man kann seine Augen nicht abwenden
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Felsengräber
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Theater
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Die Königswand mit Urnengrab
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Das „seidene“ Grab – schön zu sehen sind hier die unterschiedlichen Marmorierungen des Felsens
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Blick vom El-Khubta-Massiv auf Petra (mittig- das Theater)
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Auf dem El-Khubta-Massiv
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Blick auf die Schatzkammer vom El-Khubta-Massiv

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Das Kloster
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Das Kloster von oben
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Der lange Weg abwärts
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Die fleißigen Tiere für die faulen Touristen vor dem Quasr-El-Bint

 

 

 


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