21.07. – 22.07.2017 – Die ersten 1100 km durch Deutschland, Polen und die Ukraine

Wie immer erfolgte am Freitag kurz vor der Abfahrt die gleiche Prozedur wie immer – in alle Räume rennen, zehntausend Mal denken, dass man etwas vergessen hat und ebenso viel beruhigen, dass man alles nicht so Wichtige auch nachkaufen kann. Halb fünf Uhr abends saßen wir dann schließlich im Auto und der Zündschlüssel drehte sich zum Start. Jetzt gab es wohl kein zurück mehr. Nach anfänglichen Staus hinter Berlin und einem katastrophalen Stück Bundesstraße zwischen Grenze Deutschland bei Cottbus und Bolesławiec (Bunzlau) kamen wir soweit ganz gut durch und so flatterten wir gegen 21 Uhr in der Nähe von Wroclaw in dem kleinen, direkt an der Autobahn gelegenen Motel „Orlik“ ein, fuhren uns noch ein paar polnische Spezialitäten (Zurek und Piroggi) und vor allem einkaltes Tyskie ein. Danach wurde aber gleich an der Matratze gehorcht, denn schließlich waren wir ja nicht zur Entspannung hier.
Pünktlich um sieben Uhr am Samstag klingelte auch schon wieder der Wecker und nach dem Frühstück brauste das Auto weiter über die nun bestens ausgebaute Autobahn. Noch in Polen googleten wir mal nach Erfahrungsberichten über den Grenzübergang Polen-Ukraine „Korczowa – Krakowiec“. Wir hätten es nicht tun sollen – so schlecht bewertet ist nicht einmal der schlimmste Dönerladen in Berlin. Mit mulmigen Gefühl fuhren wir die letzten Kilometer über die fast leere Autobahn zur Grenze. Ein Glück, so dachten wir, vor uns waren nur etwa 50 Autos und circa 600 m Rückstau. Das würde ja schnell gehen. Würde es, wenn die polnischen Beamten nicht im Bummelstreik standen und scheinbar null Lust verspürten, effektiv und schnell zu arbeiten. Es ging so langsam vorwärts , dass Christian irgendwann das Auto einfach nur noch weiterschob, weil sich das Motor anmachen einfach nicht lohnte. Nach phänomenalen drei Stunden durften wir dann in die heiligen Hallen der polnischen Ausreise einfahren und …na, was sonst – erst einmal warten. Unglaublicherweise hatten die Guten es dann nach einer weiteren dreiviertel Stunde geschafft, einen schnellen Blick in die Kofferräume zu werfen und die Pässe zu checken. Im Vergleich dazu ging es auf der ukrainischen Seite ratzfatz – Grenzbeamten-Lady kam vorbei und sammelte schon einmal in der Autoschlange eine gewaltige Anzahl von Pässen und Fahrzeugpapieren ein, dann musste man es nur noch in der Schlange zum Kofferraumcheck schaffen und dann noch einmal (warum auch immer) die Pässe vorzeigen. Weiterfahren, noch einen Schnipsel ein paar Meter weiter abgeben und geschafft. Geschmeidige 4,5 Stunden Grenzüberquerung – ein neuer Rekord. Zum Glück war danach die Straße so gut, dass wir praktisch bis nach Lwiw (deutsch: Lemberg) flogen. Nein, Scherz, die Straßen waren grottenschlecht und so schlichen im polnischen Grenzbeamten-Tempo dahin. In Lwiw war es dann schon dunkel, was Anbetracht der riesigen Kuhlen im Kopfsteinpflaster + Löcher + Spurrinnen nicht das angenehmste Fahren war. Völlig kaputt und ausgehungert kamen wir an dem usbekischen Restaurant an, dass ich schon vorher ausgeguckt hatte. Öffnungszeit war bis 22 Uhr und das war schon 15 Minuten vorbei. Wir fragten auf Englisch, ob sie noch offen hätten und der Besitzer antwortete im akzentfreien deutsch „Eigentlich nicht, aber wir machen eine Ausnahme für euch. Seid unser Gast und setzt euch.“ Waren wir froh und erst recht, als wir kaltes Bier, Manty (usbekische Teigtaschen), Suppe und eine Art Eintopfgericht auf dem Tisch stehen hatten. Zum Nachtisch gab es noch die usbekische Variante eines Baklava (Gebäck mit viel Nüssen und viiiiieel Honig) und so checkten wir wieder zum Mensch geworden in das Hostel ein, löschten das Licht und träumten von Schnecken in Grenzbeamtenuniform.

 

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Vor dem Motel „Orlik“
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Bereit für die Fahrt in die Ukraine
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600 m vor der polnischen Ausreise- so kurz und doch so lang
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Einreise von Polen in die Ukraine – Endlich!!

 

 


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