24.07.2017 – Fahrt von Nischyn bis kurz vor Woronesch

Heute kamen wir etwas später aus den Betten als vorgenommen, weil sich Christians Handy immer noch nicht so ganz mit der Zeitumstellung +1 Stunde abgefunden hatte. Nach Christians Lieblingsfrühstück hart und blau gekochten Eiern ging es dennoch, wie vorgenommen, kurz nach 9 Uhr los in Richtung russische Grenze. Kurz vor der Grenze zeigte die Bullerei doch Interesse an uns. Nach den Erfahrungen letztes Jahr, ging der Adrenalinspiegel gleich auf 180. Was kommt jetzt wieder Neues? Aber nichts, alles okay, nur Standardkontrolle und etwas Smalltalk. Keine fingierten vorgeworfenen Verkehrsvergehen oder sonstige komische Dinge. Was ein Glück.
Wir wollten die Grenze bei Katerynivka überqueren. Die letzten Kilometer dahin waren in einem Zustand, bei dem man kaum noch von Straße reden kann. Allerdings machte uns das auch Hoffnung, denn wir dachten, dass die Grenze vielleicht nicht so viele Leute nehmen. Der Gedanke war ganz richtig, denn vor uns standen nur 5 Autos. Innerhalb von 30 Minuten wurden dann auch 3 Autos durchgelassen und so stand nur noch ein Auto vor uns. Das würde ja dieses Mal schneller gehen, dachten wir. Dachten wir. Nach fast 2 Stunden warten, wurde der vor uns durch den Schlagbaum gelassen. Dann Wachablösung. Eine blonde Grenzbeamtin kam endlich auf uns zu und kontrollierte ganz besonders unseren Pass und Fahrzeugpapiere. Sie wollte uns schon den Zettel geben, der uns zur Einfahrt bemächtigte, da überlegte sie noch kurz und gab uns zu verstehen, sie wolle Geld haben. Wir guckten wohl reichlich verdutzt, also wiederholte sie ihren Wunsch noch einmal und beschwor, dass das „ukrainski traditionski“ sei. Als wir ihr schon ein paar Gryphna in die Hand drücken wollten, um nur endlich in die heiligen Hallen der ukrainischen Ausreise zu kommen, schwirrte sie mit der Aussage „Euro“ plötzlich ab. Na toll, jetzt hatten wir wohl nicht genug gegeben, jetzt mussten wir wahrscheinlich warten, bis wir versauern. Nach fünf Minuten kam sie aber doch wieder und wir versuchten sie noch einmal in der Hoffnung, sie wisse nicht, wieviel das wert ist, mit 74 Cent zu bestechen. Wahrscheinlich war die Gute so resigniert über unsere Unfähigkeit, Grenzbeamte zu bestechen, dass sie uns doch den Zettel in die Hand drückte. Auch die weitere Ausreise zog sich in die Länge, nach Schnelligkeit wurden die Beamten schließlich nicht bezahlt.

Nach 3 h war die Ausreise dann geschafft, weiter ging es zu den Russen. Dort ging es recht zügig hinein, dann ging allerdings gar nichts mehr. Erste Ausweiskontrolle, unglaublich langsam. Danach Fahrzeugkontrolle. Während die Russen auf der daneben liegenden Spur locker kontrolliert wurden, mussten vor allem die anreisenden Ukrainer eine Prozedur durchmachen, die langsamer und ineffektiver nicht sein konnte. Auch wir warteten deshalb ewig, bis die 2 Autos vor uns durchsucht wurden. Auch uns bedeutet man, alles auszuladen, alles aufzumachen. Bis dahin war aber schon wieder 1,5 h vergangen. Als letztes erfolgte die Zollerklärung. Woher und warum auch immer suchten sie in Schildkrötentempo ein deutsches Formular heraus, dass da eh keiner lesen kann. Wir sollten es ausfüllen und abgeben. Dazu musste man sich natürlich wieder neu anstellen. Als der Beamte das Formular endlich hatte, gab er in einer derartigen Langsamkeit die Daten mit Einfinger-Schreibtechnik ein, dass wir darüber nachdachten, an die Scheibe zu klopfen, um zu sehen, ob er nicht eingeschlafen ist. Teilweise starrte er auch einfach nur 5 Minuten auf die Fahrzeugpapiere und lachte dann. Moderne Form von Psychokrieg. Am Ende kam der superlangsame Beamte noch einmal aus dem Häuschen (seehr langsam) und kontrollierte noch einmal das Auto. Wir sind fertig. Wissen nicht, ob wir weinen oder lachen soll. Insgesamt 5,5 h – für was? Zäune sind nur selten für etwas gut.

Unser eigentliches Fahrziel Woronesch strichen wir damit gedanklich. Eigentlich peilten wir an, nur bis Kursk zu fahren, doch da die Sonne noch so schön schien, wir noch Energie hatten und die Straße an ewig weiten Sonnenblumenfeldern vorbei so gut ausgebaut war, machten wir doch noch ein paar Kilometer. Tatsächlich ist es hier in Russland gar nicht so einfach, zwischen zwei größeren Städten überhaupt irgendetwas außer Feld zu finden. So kamen wir doch noch in die Nacht hinein, als sich vor uns dann gegen 21 Uhr etwa 72 km vor Woronesch ein Straßenmotel auftat. Sehr sozialistisch das Ganze mit Kantinenessen (heute gab es Soljanka, Brot und Bier) und DDR-Tapete, aber nach 12 h auf den Beinen (aber nur knapp über 500 km) legen wir keinen Wert auf stylische Unterkünfte. Bisher sind jetzt etwa 2200 km geschafft, so dass morgen unser erstes, wirkliches Ziel Wolgograd (ehemals Stalingrad) angefahren wird.

 

Bildschirmfoto 2017-07-25 um 00.43.17
Die heutige Route – GoogleMaps kennt keine Zeiten für Grenzüberquerungen

 

 

bdr
Noch gar nicht vorgestellt – Bernd, das Brot – unser neuer Reisebegleiter – ein bisschen schlechte Laune kann ja nie schaden 😉

 

 

IMG_7979_Fotor
Russische Grenze – hier wird effektive Arbeit noch groß geschrieben

 


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