03.08.2017 – Einmal quer durch Bergkarabach

Mit einem einfachen Frühstück starteten wir den Tag, der uns in ein neues Land führen sollte. Nachdem wir Goris verließen, führte die Straße weiter steil hinauf. Nach etwa 30 km tauchte vor uns ein Schild auf – „Liebe Freunde – Willkommen in Bergkarabach“. Was zum Teufel ist denn Bergkarabach, wird sich manch einer jetzt fragen. Bergkarabach ist ein Gebiet zwischen Armenien und Aserbaidschan. Schon nach der Oktoberrevolution gab es Konflikte, zu welchem der zwei Staaten dieses Gebiet gehöre, da auch die Bevölkerung aus beiden Völkern bestand. Ab 1988 spitzte sich der Konflikt zu, es kam zu gegenseitigen Ausweisungen, Pogromen und Massakern. Der Konflikt endete vorerst mit einem Waffenstillstand 1994 damit, dass Armenien derzeit Bergkarabach besetzt hält, was zur Abwanderung der meisten Aserbaidschaner in diesem Gebiet führte. Die Vereinten Nationen und Aserbaidschan erkennen dies nicht an und rechnen das Gebiet Aserbaidschan zu. Soviel zur Lage.
An der Grenze ging jedenfalls alles glatt. Uns wurde ein kleines Zettelchen mitgegeben, wo wir uns in der Hauptstadt Stepanakert das Visa abholen sollten. Unser erster Stopp führte uns in die Stadt Şuşa. Dort schauten wir uns die dortige Erlöserkirche und die Burg an.
Weiter ging es in die Hauptstadt Stepanakert, wo der erste Halt das Ministerium für Ausländerangelegenheiten darstellte. Hier werden jedes Jahr nur ein paar tausend Visa herausgegeben, die meisten an Exilarmenier. Naja, und dann halt noch an ein paar Verrückte wie uns. Wir ließen im Gegensatz zu Franco das Visum direkt in den Pass kleben, was damit bedeutete, dass wir auf dieser Reise nicht mehr nach Aserbaidschan einfahren werden. Die Zeit dafür war einfach zu knapp und da die meisten Sehenswürdigkeiten um Baku herumliegen, was aber noch einmal 1000 km Hin- und Rückfahrt darstellt, wollen wir uns lieber ausführlicher mit Georgien und Armenien beschäftigen. Da man aber in Deutschland zwei Reisepässe besitzen kann, ist eine Einreise nach Aserbaidschan zu einem späteren Zeitpunkt kein Problem. Mit Visa von Bergkarabach im Pass könnte man da nämlich direkt wieder umdrehen und hoffen, dass man nicht einen Kopf kürzer gemacht wird. In Stepanakert schauten wir uns noch die Statue „Tatik Pavik“ (Großmutter und Großvater) an. Da die auch „Wir sind unsere Berge“ genannte Statue schon 1976 errichtet wurde, stellt sie so etwas wie einen Beweis dar, dass die Armenier ein Recht hätten, hier zu sein.
Weiter ging der Weg durch atemberaubende Berglandschaften zu der im 1.Jh v. Chr. erbauten Festung „Tigranakert“, die jetzt für uns Historiker ein bisschen übertrieben neu auf den Ruinen wieder aufgebaut wurde. Ein letzter Stopp erfolgte am Dadivank-Kloster im nördlichen Bergkarabach. Obwohl dieses wunderschön von Bergen eingeschlossen lag, entschieden wir, dass es wirklich jetzt erst einmal genug mit Klöstern ist.
Weiter unten und auf dem Weg sah man immer wieder Militärkolonnen und verlassene und zerstörte Häuser. Für uns als Pazifisten wäre wahrscheinlich die einfachste Lösung, dass sich Aserbaidschaner und Armenier friedlich das Gebiet teilen und nebeneinander leben könnten. Derzeit ist aber der Konflikt noch nicht entschieden und wird bei dem Nationalismus um dieses Gebiet auch leider sicherlich wieder aufkeimen.
Ohne weitere Grenzkontrolle kamen wir eine Stunde nach Verlassen Bergkarabachs in Martuni am Sevansee an. Dort hatte uns ein Pärchen mit Kind in Kazbegi ein Guesthouse empfohlen. Da dieses aber für die Hütte echt überteuert war, wir nichts anderes fanden und die Einheimischen Entwarnung vor Wölfen oder sonstigen Getier gegeben hatten, entschieden wir uns, wild am Sevansee zu campen. Die Herren kauften sich ein paar gefrorene Khinkali und ich für meine seit dem Tag aufgetretenen Magenprobleme ein paar Fadennudeln. Da es zu dieser Zeit dann schon stockdunkel und Straßenbeleuchtung Mangelware war, suchten wir uns den nächstbesten Platz, der zwar direkt an der Straße, aber wenigstens am See gelegen war. Dort bereiteten wir das Essen zu und überzeugten Franco, der tatsächlich wie ein Hund in der Apside unseres Zeltes pennen wollte, weil er Angst hatte, in unsere Privatsphäre einzudringen, in dem für drei Leute ausreichend großen Zelt neben Christian zu pennen.

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Grenzinformation Bergkarabach
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An der Grenze zu Bergkarabach, links die armenische Flagge und rechts die Flagge von Bergkarabach (die hat zusätzlich links eine Art weiße Burg)
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Erlöserkirche in Şuşa

 

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Festungsanlage in Şuşa
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Statue „Wir sind unsere Berge“ – Großmutter und Großvater
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Dadivank-Kloster
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Dadivank-Kloster

 

 


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