26.10.2017 – Shiraz Part I

Die Nacht im Nachtbus beschreibt man wohl am besten mit einem Wort – grausam. Wenn man die Gabe hat, im Sitzen gut zu schlafen, dann solle man ohne Ende Bus fahren. Wir überlegten jedoch beide nicht nur einmal, uns einfach in den Fußraum zu legen. Kurz nach 5 Uhr war die Nacht bei Ankunft in Shiraz auch schon wieder vorbei. Noch im Halbschlaf setzten wir uns ins Taxi und ließen uns in Hostel bringen. Dort konnten wir zum Glück in selbstgezimmerten Kabinen unsere Isomatten ausbreiten. Endlich liegen und schlafen. Dass wir nach Aufwachen schön von den Leuten vom Frühstückstisch beim Schlafen beobachtet wurden, war uns reichlich egal.
Nach dem Frühstück bezogen wir unser Zimmer und entschieden uns, den halben Tag für einen Ausflug nach Persepolis zu nutzen. Das war in unserem übernächtigten Zustand wahrscheinlich die beste Variante, da wir uns um fast nichts kümmern brauchten. Gegen 13 Uhr kam Sajad, unser Taxifahrer vorbei. Auch er kämpfte sich durch das Chaos nach draußen. Am Stadtrand hielten wir für einen kurzen Falaffelsnack. Zusammen mit doog (dem iranischen Ayran/ Joghurtgetränk mit Salz und manchmal Zitrone und Minze) ein leckerer und vor allem preiswerter Snack.
Unser nächster Halt war an den Nekropolen in der Nähe von Persepolis. Hier wurden verschiedenen achämenidischen Herrschern riesige in den Stein gehauene Nekropolen hingesetzt. Ein Bild, was uns stark an Jordanien erinnerte.
Danach ging es weiter nach Persepolis. Sajad setzte uns ab und machte sich schnell auf die Suche nach dem nächsten Fernseher. Es ist nichts anderes als in Deutschland- wenn Fußball läuft, drehen alle am Rad.
Kleiner geschichtlicher Exkurs – die Achämeniden erschienen erstmals 550 v. Chr. auf der Weltkarte. Unter Herrschern wie Xerses oder Darius I. expandierte das Reich soweit, dass es sich von Kleinasien bis an die Grenzen Ägyptens und Indiens ausbreitete. Persepolis – die Stadt der Perser wurde circa 520 v. Chr. auf einer über 15 qm großen Terrasse am Fuße des Berges Kuh-e-Mehr angelegt. Prachtvolle Paläste, Säulen und Reliefs zeugten von dem Einfluss der persischen Großmacht. Nach knapp 200 Jahren (330 v.Chr.) war der Spaß allerdings schon wieder vorbei, denn dann kam Alexander (der Große natürlich), dieser Schlingel und brannte alles nieder, was niederzubrennen ging. Soviel ist Geschichte. Die Reste, die zum Glück vom Feuer verschont wurden, sind heute UNESCO-Weltkulturerbe. Erstaunlich gut sind so manche Säulen und Reliefs erhalten geblieben. Da wir uns mal dreisterweise einer Führung mit anschlossen, erfuhren wir manche Sachen, die so nicht im Reiseführer standen. Zum Beispiel taucht in ganz Persepolis nur einmal das Relief einer Frau auf. Etwa 3 cm groß in der Achse eines Pferdewagens ist eine winzig kleine Frau abgebildet. Ein Symbol dafür, dass ohne Frauen nichts richtig rund läuft. Eine ganz neue Erkenntnis. Wenn eine DariA damals an der Macht gewesen wäre, würde Persepolis heute wahrscheinlich noch stehen. 🙂
Als sich die Sonne senkte, gingen wir den Berg ein Stückchen höher hinauf. Als die Sonne sich dem Horizont näherte und die Ruinen rötlich beschienen wurden, fiel es nicht schwer, sich diese einstige, prächtige Stadt in voller Blüte vorzustellen.
Gut gelaunt durch das Fußballergebnis fuhr uns Sajad zurück nach Shiraz. Er erzählte uns viel über die derzeitigen Zustände im Iran. Zum Beispiel, dass er, als studierter Chemiker, lieber für knapp 200 € im Monat Taxi fährt, als die noch geringeren Einstiegsgehälter in Kauf zu nehmen. Außerdem zeigte er uns eine Menge iranischer Popmusik. Diese ist, nachdem eine Menge berühmter Sänger ins Ausland emigrierten, einigermaßen einschränkungsfrei zu genießen. Wir zeigten Sajad, der noch nie Rockmusik gehört hatte, im Gegenzug ein bisschen Iron Maiden, Red Hot Chili Peppers und Bruce Springsteen.
Nachdem er uns noch kurz am nächtlichen Quaran Gate hinausgelassen hatte, setzte er uns am Restaurant ab. Einen besseren Fahrer hätte man sich kaum wünschen können.
Zum Essen gab es Dizi für Christian und für mich Koofteh Sabzi (Hackbällchen mit Reis in einer grünen Kräutersauce) und Mirza Ghassemi. Letzteres (ein Auberginendip mit viel Röstaromen) ist so unfassbar lecker, dass wir uns auch nur noch davon ernähren könnten. Kaum zu fassen, was man mit Auberginen machen kann.
Wieder im Hostel waren wir froh, dass wir einfach nur ins Bett fallen konnten. Das Schlafdefizit war doch noch immer beständig…

 

IMG_9466_Fotor
Nekropolen
IMG_9467_Fotor
Steinrelief an den Nekropolen
IMG_20171026_144956_Fotor_Fotor_Fotor
Panorama Nekropolen
IMG_9472_Fotor
Fabeltier-Relief an dem „Tor der Länder“ – dem Eingang zu Persepolis

 

 

IMG_9485_Fotor
Berühmtes Fresko in Persepolis. Es ist das einzige Frontalfresko (Löwengesicht) und stellt nach aktueller Forschungsmeinung den Frühling (Löwen) dar, wie er dem Winter (Stier) sagt, er solle sich jetzt mal langsam aus dem Staub machen
IMG_9524_Fotor
Persepolis bei Sonnenuntergang

IMG_9531_Fotor

IMG_20171026_170608_Fotor_Fotor
Panorama Persepolis bei Sonnenuntergang
IMG_9488_Fotor
Die letzten Sonnenstrahlen beleuchten Persepolis

 

 

 


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s