09.08.- 12.08.2018 – Usbekistan II

Weil es so schön war, wollten wir ein zweites Mal nach Usbekistan einreisen. Auch Usbekistan ließ sich sein dreißigtägiges Visum mit zweimaliger Einreise mit 90 € p.P. ganz gut bezahlen. 

Als wir an der Ausreise zu Turkmenistan ankamen, passierte jedenfalls erstmal gar nichts, denn die Mittagspause war gerade voll im Gange. Nach einer Stunde Warterei mussten erneut Immigrationspapiere ausgefüllt werden, die sich kein Schwein anschaute, um dann nach zig sinnlosen Prozeduren, die wenigstens kein Geld kosteten, zur Autokontrolle weiterzugehen. Der dortige Wachmann war scheinbar in guter Laune, erzählte uns, dass er schon einmal in China gearbeitet hätte, unterschrieb in chinesisch auf dem Auto, zeigte uns Trickfilme bei YouTube (das eigentlich in Turkmenistan gesperrt ist) und rauchte mit Christian in einer von der Überwachungskamera nicht erfassten Ecke eine Zigarette (Zigaretten sind auch halbwegs verboten, seit der ehemals kettenrauchende Präsident eine Herz-OP hatte).

Auch an der Grenze zu Usbekistan war bemerkenswert wenig los. Man freute sich, dass unsere Daten schon im System erfasst sind, die Stimmung war gelöst. Vollkommen überdreht von so viel Warten wurden wir etwas übermütig, kontrollierten auf der Gepäckwaage unser Gewicht und wetteten mit Matt um ein Bier, dass er durch den Körperscanner einen Purzelbaum macht. Der Blick der Grenzbeamtin, als er dies tatsächlich machte- unbezahlbar! Zu unserem Glück beschwerte sich auch keiner darüber, dass unser Auto mit angelassenen Motor zugeschlossen den Grenzbereich mit Abgasen zunebelte. 

Gegen Nachmittag kamen wir in Buchara an und suchten mit Hilfe des Wifi´s eines viel zu teuren Hotels ein Zimmer für uns vier. Mit viel Hunger gingen noch alle einen Stapel „Som“ holen, um mit denen dann die Wettschulden im Restaurant zu bezahlen. Für uns gab es an diesem Abend „Dimlama“, ein Eintopfgericht, das für Christian mit und für mich ohne Fleisch zubereitet wurde. 

Am nächsten Tag fuhren die Herren der Schöpfung zum Mechaniker. Matze, um einen neuen Reifen auf Felge zu kaufen und wir, nunja, eben weil unser Auto schon seit rund 1000 km nicht mehr von selbst startete. Mit einer neuen Batterie, die wir in Turkmenistan gekauft hatten, konnten wir schon ausschließen, dass die Batterie nicht das Problem war. Es musste also am Starter liegen. Nach dem Ausbau des Starters war auch komplett klar, warum er nicht mehr funktionierte. Durch den fehlenden Unterbodenschutz in Derweze hatten wir uns das Teil komplett zerfetzt. Doch Ersatzteile für einen Peugeot in Usbekistan finden? Aussichtslos! Doch für die findigen usbekischen Mechaniker, die sich je nach Autoteil in verschiedenen Werkstätten in einem Teil der Stadt ansiedelten, war das nicht weiter schlimm. In 1h Google-Übersetzer-Gespräch und fachmännisch in den Motorraum-Gucken und 3 h Stunden effektiver Arbeit stellten sie zunächst fest, dass von unten nicht an den Starter zu kommen ist, da die Schrauben des Unterbodenschutzes rundgedreht waren. Mit einem Hoch auf die Kinderarbeit fischten die dort (freiwillig??) herumhängenden Teenager den Starter von oben aus dem Motorraum. Dann wurde aus ausgebauten, herum liegenden Teilen in den alten Starter ein komplett neues Innenleben eingebaut. Und – dieses Frankenstein-Ding funktionierte auch noch tadellos. Wahrscheinlich in Deutschland nicht möglich, da kaum ein Mechaniker in unserer Wegwerf-Mentalität selbst im Notfall noch so etwas an Autos, die es gar nicht in Deutschland gibt, beherrscht. Wo man gerade mal das Auto auf der Hebebühne hatte, wurde der Unterbodenschutz abgeflext (natürlich ohne Schutzbrille) und mit neuen Schrauben versehen und noch gleich ein Ölwechsel gemacht. Nach etlichem Feilschen handelte Christian statt der veranschlagten 170 $ den Preis von 50 $ inklusive der 46 $ teuren turkmenischen Batterie und inklusive eines österreichischen Biers, das als deutsches Bier verkauft wurde, heraus. Ab jetzt bin ich mir sicher, dass Christian, sollte er mich mal verkaufen wollen, bestimmt eine stattliche Anzahl an Kamelen heraus handeln kann. 

Doch nun drängelten die anderen Deutschen. Sie wären am liebsten schon am gestrigen Tag nach Duschanbe gefahren, was eine Strecke von 900 km gewesen wäre. Das kann man ja auf einer deutschen Autobahn machen, aber nicht in Zentralasien. Da wir noch lieber die Stadt angucken wollten und wir uns nicht einigen konnten, gingen wir noch etwas gemeinsam die Stadt angucken und dann essen. Buchara existierte schon vor Alexander dem Großen und florierte in Zeiten der Seidenstraße zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Zentralasiens. Viele prächtige Koranschulen und Moscheen zeugen vom einstigen Reichtum und Einfluss der Stadt. 

Beim Essen verabschiedeten wir uns gerade von den Deutschen, als Line und Kaspar aus einem norwegischen Team herein spaziert kamen. Mit ihnen schlenderten wir noch etwas durch die Stadt und verabredeten uns für später zum Umtrunk. Wir mussten uns erstmal eine neue Bleibe suchen. Gar nicht so einfach, denn 50 % der Straßen in der Innenstadt scheinen in einer Sackgasse, an Treppen, an Kuhställen oder sonstigen Hindernissen zu enden. Schließlich hatten wir es geschafft. Als wir im Restaurant ankamen, saßen da schon unsere zwei Norweger zusammen mit den Finnen Elina und Herrmann, die wir schon aus Istanbul kannten. So klein ist die Mongol Rally-Welt. 

Am nächsten Tag ging es nur mit den Norwegern weiter, da die Finnen noch einen Tag in Buchara weilen wollten. Auf dem Weg nach Samarkand konnten wir erneut beobachten, dass die Usbeken wahre Weltmeister darin sind, so viel, wie möglich auf einem Autodach zu transportieren. Ein ganzes King-Size-Bett auf einem kleinen Lada? No problemo! Angekommen in Samarkand ging das Straßen-Irrgarten-Spiel auf dem Weg in die Unterkunft in eine neue Runde. Google Maps unterstützte uns freundlicherweise damit, uns immer wieder in Sackgassen, Einbahnstraßen oder 50 cm breite Straßen zu führen. Nachdem wir endlich angekommen waren, schulterten wir gleich unsere Taschen und gingen in die Innenstadt. Samarkand gehört wie Khiva und Buchara zum Unesco-Weltkulturerbe, ist aber deutlich größer als die beiden letztgenannten. Um diesen Städten wirklich in aller Einzelheit gerecht zu werden, bräuchte man bestimmt zwei Wochen. Da wir diese Zeit nicht haben, besuchten wir nur DIE Sehenswürdigkeit schlechthin in Samarkand. Der Registan, übersetzt „sandiger Platz“ besteht aus drei im Dreiseitenhof-Stil angeordneten Koranschulen, eine pompöser und prächtiger als die andere. Die Tilya-Kori-Medressa, die mittlere der drei, sticht besonders hervor. Ihr Innenraum strahlt so golden, wie alle Goldzähne, denen wir auf der Reise bisher begegnet sind (und das waren viele!). 

Ganz erschlagen von so viel Prunk wollten wir essen gehen. Da wir komischerweise nichts Essbares fanden, ließen wir uns von einem Taxifahrer zu einem Restaurant kutschieren, das gleichzeitig als Lokal und in einem abgetrennten Bereich als Russendisko diente. Nachdem wir mit etlichen Schwierigkeiten endlich unser Essen bekamen und teilten (zartes Hammelfleisch, gegrillte Tomaten, Reis und Salat), waren weder Line, Kaspar, Christian, noch ich noch so aufgedreht, unsere Hüften zu russischen Techno zu schwingen. Da wir am nächsten Tag recht früh nach Duschanbe aufbrechen wollten und damit die nächste Grenzüberquerung anstand, war das wahrscheinlich auch die denkbar vernünftigste Entscheidung.

 

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Ein Starter, wie er nicht aussehen sollte…
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Nach der Reparatur 
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Die fleißigen Arbeiter – der Kollege unter dem Auto trägt als Arbeitsschutz Christians Sonnenbrille. Man beachte auch die Arbeitsschutz-Flipflops.
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Christian und Matze mit den Chefs der Werkstatt.
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Buchara/ Poi-Kalon-Medressa
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Kalon-Minarett (leider nicht betretbar)
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Im Innenhof der Moschee
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Innenhof der Poi-Kalon-Moschee
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Nadir Divanbhegi Khanaka
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Das ist er wieder, der gute, alte Lenin…
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Abendstimmung Buchara
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Ein kleiner Schnappschuss muss auch mal sein. Christian auf seinem Lieblingstier.
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Guten Freunden gibt man ein Küsschen…Parken in den winzigen Straßen Bucharas…
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Wir transportieren alles/ Part I
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Wir transportieren alles/ Part II
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Am Registan in Samarkand
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Innenhof einer der Koranschulen am Registan
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Prächtige Ornamentik
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Tilya-Kori-Medressa
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Tilya-Kori-Medressa/ Kuppel von innen

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Registan bei Nacht

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