12.08. – 19.08.2018 – Tadschikistan 

Am Morgen besorgten wir uns in Samarkand noch ein paar Vorräte und dann ging es mit den Norwegern Line und Kaspar n Richtung Grenze zu Tadschikistan. Die Ausreise aus Usbekistan am neuen Grenzübergang Samarkand verlief seriös, aber problemlos. Als wir in Tadschikistan ankamen, hofften wir, dass es problemlos weitergeht. Als Line und Kaspar ihr E-Visa vorzeigten, wurden die Beamten jedoch unruhig. Eine englisch sprachige Person wurde ans Telefon geholt. Sie erklärte ihnen, dass sie aus Versehen ihr Visum erst auf das Gültigkeitsdatum 14.08.2018 gelegt hatten. Jegliche Diskussionen oder Bestechungsversuche waren aussichtslos. Da auch Usbekistan nicht visumfrei ist, waren die Norweger gezwungen, 36 h im Niemandsland zu verbringen. Sie nahmen es gelassen, da sie meinten, dass ihre Verplantheit irgendwann zu sowas führen musste. Wir waren froh, dass unser Visum schon seit 4 Tagen gültig war, aber auch traurig, dass wir zwei so nette Menschen jetzt zurücklassen mussten. 

Als Christian gerade in einem 12 qm-Raum voll mit schwitzigen Männern die Einfuhr für das Auto regelte und mit 25 $ bezahlte, kamen Winnie und Thomas aus England vorbei. Mit ihnen setzten wir unsere weitere Fahrt fort. Auf halben Weg machten wir noch einen Abstecher zum Iskanderkul. Der Weg zu dem Höhensee auf 2195 m war schon eine echte Vorbereitung für den Pamir. Weil das Auto der beiden Engländer zwischendurch noch eine gute Zeit abkühlen musste, konnten wir leider nicht noch größere Touren am See machen. Da müssen wir noch einmal wiederkommen, vor allem, wenn die Sonne das türkise Wasser noch mehr zum Leuchten bringt als an dem bewölkten Tag, an dem wir da waren. Auf dem weiteren Weg nach Duschanbe gab es dann den ersten Stau seit Istanbul. Der komplett zerstörte LKW, der da gerade wegtransportiert wurde, war ein deutliches Warnzeichen, dass dieses Hochgebirgsland keine Fehler verzeiht. Etwa die Hälfte des Landes liegt über 3000 m. Dieser Fakt zusätzlich zu politischen Schwierigkeiten macht Tadschikistan zum ärmsten Land der „-stans“. Dass die Tadschiken nicht arm an Freundlichkeit sind, fiel uns gleich schon nach den ersten paar Kilometern auf. In jedem Dorf kamen Kinder angerannt, winkten, riefen „hello“ und wollten, dass man im Vorbeifahren mit ihnen High Five macht. Resultat des Ganzen: Wir beiden haben jetzt eine Sehnenscheidenentzündung vom vielen Winken und ich habe mir fast die Hand beim High Five gebrochen. Man, haben diese Kids Power. 

Auf dem Weg nach Duschanbe fuhren wir auch das erste Mal einfach weiter, nachdem uns ein Polizist rauswinken wollte. Nach Dummstellen und Diskutieren wollten wir mal etwas anderes probieren, um der Korruption zu entgehen. Ganz wohl war uns in den nächsten Kilometern nicht dabei, aber es passierte ganz einfach gar nichts. Trotz verhinderter Polizeikontrolle war es schon dunkel, als wir im „City Hostel“ ankamen. Und wer war da? Matze und Anka, die keinen Deut schneller als wir gewesen waren. Außerdem noch eine ganze Reihe vor allem polnischer Bergsteiger, die alle einen oder zwei 7000-er bestiegen hatten. Ihre Stimmung war gedrückt. Sie hatten gerade erst gehört, dass der Helikopter, der die Kletterer aus dem Basecamp bringt, abgestürzt sei. Sie hatten den davor genommen. Erst ein paar Tage zuvor hatten wir die Nachrichtenmeldung gehört, dass südlich von Duschanbe vier Radfahrer gestorben sind, als ein Auto in diese hinein raste und danach mit Messern auf sie eingestochen wurde. Ein komisches Gefühl, wenn man diese Menschen nie kannte, aber weiß, dass sie in einer ganz ähnlichen Situation steckten. Dass sie Hoffnungen hatten und nicht daran dachten, am falschen Ort zur falschen Zeit zu sein. Doch solche Dinge passieren, ob in Deutschland oder irgendwo in der Welt. Wer immer nur mit Angst durch die Welt läuft, was passieren könnte, verpasst auch eine Menge schöne Erlebnisse. 

Wir stürmten an diesem Abend noch ein winziges Lokal mit sechs anderen Mongol Rally-Teams, das eigentlich nur zwei Gerichte servierte. Einerseits Kurutob (klein gerupftes Brot mit Brühe, Joghurt, Gemüse und etwas Fleisch – erstaunlich gut) und andererseits ein unbestimmtes Gericht, dass irgendwie nach Fischbüchse schmeckte. Nach ein paar Tellern Kurutob, die wir am Tisch alle von einem Teller in der Mitte teilten, ging es noch für ein paar Bier ins Hostel.

Am nächsten Tag machten wir Winnie und Thomas und Matze und Anka klar, dass wir gern mit ihnen den Pamir fahren würden. Beide sagten uns zu, hatten aber auch noch andere Teams dabei. Am Ende trafen insgesamt 8 Teams an der Tankstelle am Ortsausgang ein. Wir kauften noch eine Menge frisches Gemüse, Obst und Wasser ein und kamen dann als Letztes zum Tanken dran. Auf einmal fuhr Winnie und Thomas mit zwei anderen Autos los, obwohl wir gerade noch gefragt hatten, ob sie auf uns warten. Gleich danach zogen auch Anka und Matze mit anderen Engländern los, ohne sich noch einmal umzugucken. Ein ungutes Gefühl machte sich breit. Wenn das schon so anfängt. Nach einer halben Stunde hatten wir sie dann wieder und fuhren dann Konvoi. Eine weitere halbe Stunde später überholten wir, weil wir eine Pinkelpause brauchten. Obwohl die Teams nach zwei Minuten ankamen, wo wir neben dem Auto standen, hielt keiner von ihnen an. Das schlechte Gefühl bestätigte sich. Wir wollten den Pamir mit einem anderen Team machen, falls doch in der Höhe etwas passiert. Aber auf Menschen, die scheinbar nur einen Kopf für sich haben, darauf konnten wir uns nicht verlassen. Wir hielten an und überlegten. Zu schnell waren wir aufgebrochen, weil wir uns hatten täuschen lassen. Die folgende Entscheidung geschah ganz einfach aus Vernunft – wir drehten um nach Duschanbe und beschlossen, auf die Finnen zu warten, die bald von Usbekistan kommen sollten.

Tatsächlich erschienen sie schon an dem Abend im gleichen Hostel. Unser Wiedersehen „feierten“ wir beim Koreaner um die Ecke (in Zentralasien gibt es wegen Stalins Zwangsumsiedlungen eine Minderheit Koreaner). Nach Unmengen an Kimchi und anderen koreanischen Köstlichkeiten ging es nach einer großen Portion Wodka ins Bett. 

Der hätte eigentlich desinfizieren sollen, aber Christian erwachte trotzdem am nächsten Tag mit erheblichen Magen-Darm-Problemen. Gut, dass wir noch nicht auf dem Pamir waren, denn so konnte Christian den Tag nutzen, um zwischen Toilette und Bett sein klägliches Dasein zu pflegen. 

Am nächsten Tag waren wir dann aber alle soweit fit und vorbereitet zur Gipfelerstürmung. 

Das erste Stück meisterten wir zusammen mit drei weiteren Teams aus Italien und fuhren von Duschanbe bis Kulob stetig höher auf ganz guten Straßen. Immer in Gefahr, zu überhitzen, nahmen wir die nördliche Route bis Shuroobod. Dann kam der Grenzposten, mitten in Tadschikistan. Ab hier beginnt das autonome Gebiet Berg-Badachschan (GBAO), das zwar fast die Hälfte der Fläche Tadschikistan, aber nur 4 % der Einwohner des Landes ausmacht. Kein Wunder, denn es liegt im Pamirgebirge, von den Einheimischen „Dach der Welt“ genannt mit Höhen bis zu 7495 m. Durch dieses Gebirge führt der Pamir Highway, mit bis zu 4655 m die zweithöchste Fernstraße der Welt. Und da wollten wir mit Flipper durch. Die erste Hürde war also die Grenze zu Berg-Badachschan. Und nun waren wir es, die wie die Norweger an der Grenze ins Schwitzen kamen. Wir hatten nur ein E-Visa mit Vermerk GBAO bekommen und nicht noch einmal ein spezielles Blatt für das Visa für Berg-Badachschan. Immer wieder zeigten die Grenzer auf die Blätter der anderen Touristen und auf unseres. Und wir zeigten stetig auf den Vermerk „GBAO“. So ging das minutenlang hin und her. Dann hatten sie einen Entschluss gefasst. Sie zeigten zur Richtung, aus der wir gerade herkamen und meinten nur „Zurück nach Samarkand“. Lang konnten sie aber ihren Witz nicht durchhalten, denn sie grinsten schon beim Sprechen wie die Honigkuchenpferde. 

Nach diesem Schreckmoment dauerte es nicht mehr lang und wir hatten zum allerersten Mal Blick auf den reißenden Fluss Pandsch, der auf seiner längsten Strecke Tadschikistan von Afghanistan trennt. Immer mit Blick auf Afghanistan fuhren wir, bis es so langsam dunkelte. Rechts neben der Straße am Fluss suchten wir einen Platz zum Wildcampen, der ein bisschen verdeckt von der Straße lag. Nachdem wir fachgerecht die Hängematten installiert hatten, brutzelte ich ein paar Bratkartoffeln und öffnete ein Glas Rote Bete. Noch ein Bier dazu- fast wie zuhause. Auch die Temperaturen entsprachen denen des deutschen Hochsommers dieses Jahr. So richtig angenehm wurde die Nacht erst, als es langsam kühler wurde. 

Am nächsten Morgen hatten wir gerade das Frühstück beendet, als Wachposten kamen und uns zu verstehen gaben, wir sollten schnellstmöglich hier verschwinden. Während unsere Regierung fleißig auch unbescholtene Menschen nach Afghanistan abschiebt, ist es für jeden klar, dass Afghanistan weder ein friedliches, noch ein sicheres Land ist. Da es zusätzlich auch immer wieder Auseinandersetzungen mit afghanischen Drogenhändlern an der Südgrenze gibt, ist es nur allzu verständlich, dass die tadschikische Armee nur ungern Touristen in der Schusslinie haben möchte. Aber irgendwo schlafen muss man ja auch…Während wir weiterfuhren, wurden die Straßen zunehmend zu Wegen und immer schlechter. Auch LKW´s drängen sich auf den engen Wegen irgendwie an den teils überhängenden Felsen vorbei. Auf der rechten Seite sind Teile des Weges ausgespült. Christian auf seiner linken Seite verstand gar nicht, warum ich als Beifahrer jedes Mal fast einen Herzinfarkt bekam, als wir nur haarknapp davon entfernt waren, im reißenden Fluss zu landen. Auch unser Auto zeigte sich mit der zunehmenden Höhe und den Straßenbedingungen nicht einverstanden. Wenn uns jemand den Schwung nahm, brauchte es ein paar Mal einen kleinen Anschieber, um wieder in die Pantoffeln zu kommen. Zusammen mit den Finnen, den Italienern und einem deutschen Team, dass wir beim Einkaufen aufgesammelt hatten, schlängelten wir uns so langsam weiter an der Grenze zu Afghanistan entlang. Wir suchten gerade einen Schlafplatz, da ging der Volkswagen Polo der Finnen Elina und Hermann aus. Und das ausgerechnet vor einer riesigen Kaserne. Von mehreren Aussichtspunkten winkten Soldaten mit ihren AK47 und bedeuteten uns, weiter zu fahren. Aber nur weil die Herren zunehmend unfreundlicher und ungeduldiger wurden, sprang das Auto auch nicht wieder an. Wir versuchten die Situation zu klären und machten klar, dass wir einen Schlafplatz brauchten. Plötzlich änderte sich die Situation. Nicht nur das Auto sprang wieder an, sondern die Soldaten verwandelten sich plötzlich in die nettesten Menschen der Welt. Wir sollten vor der Kaserne campieren, sie wollten eine Patrouille zum Schutz bereitstellen und halfen sogar beim Zelt aufbauen. Da schmeckte das gekochte Abendbrot gleich besser und der Wodka, den Hermann freundlicherweise für alle bereitstellte, sowieso. Neben dem Auto breiteten wir an diesem Abend ganz einfach die Plane und Isomatten aus und schliefen trotzdem wie ein Baby auf dem Boden bis zum nächsten Morgen.

Auf nicht besseren Straßen trafen wir kurz nach Mittag in Chorugh ein. Dort teilt sich die Straße. Man kann entweder den Weg über die reguläre M41, also den Pamir Highway nehmen oder eine Abbiegung ins landschaftlich schöne Wakhan Valley weiter an der afghanischen Grenze entlang machen. Da unser Problem mit dem Anfahren am Berg sich mittlerweile dahin verschlimmert hatte, dass wir nun sogar Probleme bei jeglichen Anfahren hatten, mussten wir eine Entscheidung treffen. Der deutschsprachige Mechaniker, bei dem Hermann und Elina derzeit mit ihrem Auto weilten, gab uns die Auskunft, dass aus dem Wakhan Valley nur eine sehr steile, sehr schlechte Straße führt. So wurde uns die Entscheidung abgenommen. Schweren Herzens trennten wir uns von unseren lieb gewonnenen Finnen und fuhren mit den Pinneberger Brüdern Daniel und Carsten weiter. Weit kamen wir an diesem Tag trotz besserer Straßen nicht mehr und so suchten wir nahe des Flusses Toguzbulok ein Plätzchen, an dem wir unser Zelt aufstellten. Nach einer kurzen und sehr, sehr kalten Dusche im Fluss, gab es ein paar köstliche Nudeln mit Tomatensauce. 

Am nächsten Tag wollten wir vom Schlafplatz auf 3000 m ins 3618 m hoch gelegene Städtchen Murghab fahren. Nur 618 m, das ist doch nicht viel mehr… Ja, wäre es, wenn nicht dazwischen zwei Bergpässe über 4000 m liegen würden und unser Auto auch nur etwas bereit wäre, so anzufahren, dass es nicht ständig an der Grenze zwischen „ich fahre jetzt los“ und „ach nee, ich geh lieber wieder aus“ lag. Und es wäre auch gut, wenn die Tadschiken sich nicht entschlossen hätten, Touristen mit ungeeigneten Autos noch mehr zu quälen, indem sie alles, aber nicht die Bergpässe asphaltierten. Mit so viel Schwung wie möglich nahmen wir Anlauf auf den Koitezek Pass. Mit viel Daumen drücken ging es hinauf, hinauf und nochmal hinauf. Doch dann war Schluss, aus, vorbei. Wir blieben stehen. Nichts ging mehr. Zusammen mit Carsten und Daniel versuchte ich das Auto anzuschieben. Aber nicht nur die Leistung des Autos ist über 4000 m begrenzt. Mit Kopfschmerzen und vollkommen außer Atem mussten wir nach ein paar Versuchen aufgeben. Also Abschleppseil anschließen und hoffen, dass einer der Brummifahrer für uns anhält. Wir hatten Glück. Schon nach kurzer Zeit wurden wir mit etlichen Geruckel das letzte Stück des Bergpasses hochgezogen. Aber unser Helfer in der Not machte uns nicht allzu viel Hoffnung, dass wir es nun allein bis nach Murghab schaffen würden. Die flacheren Stücke gingen ganz gut und wir mussten nur ab und zu für die suizidalen Murmeltiere bremsen, die immer wieder den Weg kreuzten. (Notiz an meinen Vater: Hier hättest du einiges zu tun :D).

Ein Pass fehlte noch. Und ihr ahnt es schon. Wir schafften es natürlich nicht. Auf der fürchterlichen Straße mussten wir erneut um die Gnade eines LKW-Fahrers bitten. Als es dann endlich wieder herunter nach Murghab ging, atmeten wir erstmal auf. Ein Teil war geschafft. Doch die vollkommen fehlende Leistung des Autos machte uns erheblich Sorgen. Wir verdächtigten den Saugrohrdrucksensor, ein Teil, welches die Luft misst, die dem Motor zugegeben wird. Ein kleines Teil, dass uns aber bei einem Totaldefekt und fehlenden Ersatzteil das Weiterkommen kosten könnte. 

Murghab begrüßte uns mit einer erneuten Registrierung durch das Militär und einer endlosen grünen Ebene. So schön die Gegend herum ist, so unattraktiv ist Murghab selbst. Vollkommen abgeschnitten mit einer Leninstatue als größte Attraktion liegt es mitten im Pamir. Im Containermarkt gingen wir unsere Vorräte auffüllen. Um die Fleischerei-Jurte machten wir lieber einen großen Bogen. Da drehte sich schon beim Anblick halb unser Magen um. 

Da Murghab bestimmt ganz nette Guesthouses hat, aber ansonsten nicht so der Platz zum Weilen ist, fuhren wir noch ein Stück weiter nördlich und ließen uns da mitten in einer unbewachsenen Ebene mit hohen Bergen drumherum inmitten zahlreicher Steinbockhörner wieder. Als die Sonne unterging, wurde es empfindlich kalt. Zum Glück heizte uns das Chili sin Carne an diesem Abend wenigstens etwas ein. Auf nun 4000 m merkten wir nicht nur an der Kälte und an den leichten Kopfschmerzen die Höhe, sondern auch daran, dass wir schon um 8 Uhr so todmüde waren, dass wir uns mit warmer Kleidung in den Schlafsack verkrümelten. Da meine Isomatte kaputt ist, wurde es trotz Schlafsack für mich bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt eine fröstelige Nacht. 

Der Morgen begann um 6 Uhr, als so langsam bei einem Tee die Sonne hinter den Bergen herauskam und die Kälte aus den Gliedern wenigstens etwas verscheuchte. Heute stand der härteste Teil des Pamirs, der Ak-Baital-Pass an. Am Fuß des Passes bestätigte uns ein Schild, was wir vorhatten – dieses 1,1 l- Hubraumauto, dass an diesem Morgen Schwierigkeiten hatte, überhaupt zu starten, noch 1000 Höhenmeter weiter auf 4655 m zu schrauben. Nach einem Foto fuhren wir noch einmal einen knappen Kilometer zurück zum Schwung holen. Die Klammer für den Gaszug für das Standgas wurde hochgesetzt, um das Auto auf möglichst vielen Umdrehungen zu halten, ein letztes Mal durchatmen und dann sollte es mit Vollgas losgehen. Vollgas wollte Flipper aber in der Höhe gar nicht, so dass wir mit circa 40 km/h im ersten Gang am Fuß ankamen. Wir hatten das Gefühl, auch nicht schneller zu sein, als die Radfahrer, die sich aus eigener Kraft den Pamir hochquälten. Wiederum gaben wir alles, was die Karre hergab. Angespannt bis in die Haarspitzen, auf den Lippen ein Singsang „Los, los, los“ gab Flipper sein Bestes. Doch die letzte Spitzkehre auf Schotter nahm jeglichen Schwung. Ein paar hundert Meter vor dem Ende der letzten Steigung und wir standen ein drittes Mal. Dieses Mal war es ein Jeepfahrer, der uns die letzten Meter auf den Ak-Baital-Pass hinauf brachte. Auch er wollte kein Geld dafür, dass er uns aus der Patsche half. Etwas im Stolz gebrochen, posierten wir dennoch ganz zufrieden auf dem höchsten Punkt dieser Rally. 

Doch noch war es nicht geschafft, denn bis zur Grenze folgten noch drei Pässe. Erstmal genossen wir jedoch das großartige Panorama des Issykköl, dem zweithöchsten Gebirgssee nach dem Titicaca. Braun-grünes Steppengras, die schneeweißen Ablagerungen des leicht salzhaltigen Sees, das türkisblaue Wasser und dahinter die grauen, mit weißen Schnee überzogenen Gipfel der Berge. Die Farben auf dem Pamir sind umwerfend. Wenn wir es nicht gesehen hätten, wir würden nicht glauben, dass die Natur in einem kleinen Stück derart viele Ausformungen und Farben annehmen kann. Nachdem Carsten noch ein kleines Bad im See genommen hatte, während wir uns lieber bei den Resten des Chilis aufwärmten, nahmen wir das letzte Stück bis zur Grenze in den Angriff. Glücklicherweise halfen uns die asphaltierten Straßen und viel Beten (an den Gott der Beschleunigung) über die nächsten zwei Pässe. Nach Adam Ries blieb also noch genau ein Pass, nämlich der Kizil-Art-Pass, auf dessen höchsten Punkt der Grenzposten thront. Ein Blick von der Ferne auf die steile, kurvige, nicht asphaltierte Straße und es war klar- das würde Flipper nie schaffen. Aber nun gab es keinen Weg zurück. Jedes Schlagloch ignorierend ein letztes Mal Anlauf genommen, dritter Gang, zweiter Gang, erster Gang. Nur in Schwung bleiben und auf die dünne Schicht Asphalt vertrauen, die irgendwo unter all dem Schotter existieren musste. Nur darauf hoffen, dass jetzt niemand von oben die Kurve schneidet. Der Grenzposten kam in Sicht, noch ein paar hundert Meter uuunnd Schlagbaum. Triumphgeschrei. Wir hatten es geschafft. Überhaupt nichts gegen Tadschikistan, aber nie hatten wir uns auf die Ausreise aus einem Land derart gefreut, wie jetzt…

Kurze Zusammenfassung für Tadschikistan: Ein Land mit vielen Problemen, vielen freundlichen Menschen, viel umwerfender Natur. Ein Land der Extreme. Wer Natur und Outdooraktivitäten mag, wird Tadschikistan lieben.

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Auf dem Weg nach Duschanbe
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Iskanderkul
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Iskanderkul
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Erster Blick auf Afghanistan (links Tadschikistan, Grenzfluss Pandsch, rechts Afghanistan)
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Grenzübergang Afghanistan
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Blick auf den Pandsch beim ersten Camping
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Erster Campingplatz
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Am Pamir. Treffen sich zwei „Neumeißner“ Finnen und ein Dresdner…Liebe Grüße an die Dresdner Crew!
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Grenzfluss Pandsch
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Zweiter Campingplatz vor der Kaserne
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Mongol-Rally-Konvoi
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Christian wartet darauf, Flipper endlich weiter über die schlechten Straßen zu quälen…
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Gute Fälschung??
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Fluss Toguzbulok
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Campingplatz mit den Pinnebergern auf der M41 nach Chorugh
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Panorama des Campingplatzes

 

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Der Steinbock, das Wappentier des Pamirs. Leider wird er wohl von einigen Menschen nur als Jagdtier angesehen, denn wir campten einmal inmitten unzähliger Steinbockhörner. Wir hätten ihn viel lieber mal lebendig gesehen…
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Flipper hängt zum ersten Mal an der „Nabelschnur“ eines LKW´s. Der geringe Abstand zum riesigen Truck war nicht gerade beruhigend…
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Nein, das ist keine Pause. Wir warten das zweite Mal auf einen LKW, der uns den Pass hochbringt…
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Asphalt, unsere einzige Rettung… Nur dann kann man wirklich die vielen Farben z.B. der Berge genießen…
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Hinunterfahrt nach Murghab
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Containermarkt in Murghab
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Campingplatz nach Murghab. Das tägliche Aus- und Umräumen beginnt
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Es ist so windig, dass wir lieber das Zelt am Auto befestigen…
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Zeltplatzpanorama

 

 

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Am Fuß des Ak-Baital-Passes…Hier können wir noch lachen,
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Flipper wird den Ak-Baital-Pass hochgezogen. Doch nach der Demütigung kommt…

 

 

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…der Erfolg. Wir sind auf 4655 m!

 

 

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Flipper kurz nach dem höchsten Punkt des Passes. Endlich geht es wieder nach unten…
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Kurz nach dem Ak-Baital-Pass
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Fahrt Richtung kirgisische Grenze…

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Yssykköl

 

 

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Yssykköl
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Yssykköl – was für ein Farbenspiel
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Grenz“häuser“ an der Ausreise Tadschikistans

 

 

cof
Auch das ist die Grenze Tadschikistans…

 

 

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Bye, bye Tadschikistan. Wir sehen uns wieder…

 

 

 

 

 


2 Gedanken zu “12.08. – 19.08.2018 – Tadschikistan 

  1. Mal wieder supertoll geschrieben. Hätte ich noch sowieso schon stärksten Verlangen da mal selber zu fahren, dann wäre es spätestens jetzt soweit.
    Übrigens: Ihr würdet nicht von einem Jeep hochgezogen, sondern von einem Toyota Landcruiser 😉

    LG, Peter

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