24.08.-28.08.2018 Kasachstan Part II

Die ganze kirgisisch-kasachische Grenze fing schon echt gut an. Eine lange Schlange kündigte Böses an. Wir stellten uns an der linken Schlange hinter anderen Mongol Rally-Teams an. Scheinbar existierte diese linke Schlange aber gar nicht. Einen Hinweis dafür gab es nicht, außer dass einige Kasachen vollkommen austickten, Betonblöcke auf die Straße zerrten, hupten, aus dem Auto ausstiegen und uns anschrien, während einige Kirgisen wiederum die Kasachen anschrien. Wir ließen die Schreihälse vor und versuchten, die schlechte Stimmung so gut wie möglich zu ignorieren. 

Die Ausreise aus Kirgisistan erfolgte recht schnell. Dann mussten die Passagiere zur Einreise nach Kasachstan das Auto verlassen, während die Fahrer mit dem Auto durchfuhren. Schon die Situation erinnerte wieder stark an die erste Einreise nach Usbekistan von Kasachstan aus. In einem schmalen mit hohen Zäunen begrenzten Korridor wurden die wartenden Passagiere eingequetscht. Die Stimmung- aggressiv und geladen. Menschen drängelten, schrien, schubsten. In dem ganzen Getümmel waren noch circa zehn Personen mit riesigen Zugkarren mit Waren, die von den Grenzbeamten aber warum auch immer nicht eingelassen wurden. Vordrängelnde Personen wurden einfach von den Karren eingequetscht, bis sie jemand von hinten mit Gewalt wieder herauszog. Madison, eine Frau aus einem amerikanischen Team, wurde von einem Mann an den Armen festgehalten. Als ich ihr helfen wollte, lachten die umstehenden Männer nur höhnisch. Eine unmögliche Situation. Wie Tiere oder Strafgefangene wurden wir hinter der Grenze gehalten, bis plötzlich alle Menschen die Grenzbeamten überwältigten und wie ein Strom in den Grenzbereich strömten. Im Gedränge mussten noch die Immigrationskarten ausgefüllt werden, während die Grenzbeamten die Menschen wieder hinter den Zaun zogen. Scharfe Schäferhunde der Grenzbeamten liefen in all dem Gedränge frei herum. Nie war ich so froh, endlich den Einreisestempel in den Pass gedrückt bekommen zu haben. Man fragt sich manchmal, ob es den Grenzbeamten klar ist, dass hier gerade für Touristen der erste Eindruck eines Landes entsteht…

Zusammen mit dem amerikanischen Team schlossen wir dieses Mal wirklich eine Versicherung für Kasachstan für 19 € ab und machten uns dann auf den Weg nach Almaty. Nach einer Stunde Fahrt trauten wir unseren Augen nicht. Vor uns war der Zebrawagen mit unseren lieben Finnen darin. Die Wiedersehensfreude war groß und so setzten wir zu dritt unsere Fahrt fort.

Almaty ist mit 1,4 Mio. die größte (vor der Hauptstadt Astana) Stadt Kasachstans. Hier trifft das aufeinander, was auch für russische Großstädte so typisch ist – überschwänglicher Glanz und übersprudelnder Reichtum neben dem Streben, gerade so um die Runden zu kommen, mit Glasfassaden versehene Luxushotels und ärmlich aussehende Plattenbausiedlungen, Porsche-SUV´s neben vollgequetschten 80er-Jahre-Bussen. Hier wird noch klarer gezeigt, als in Deutschland, wer sozialer Gewinner und wer sozialer Verlierer ist. 

Wenn wir schon bei den Bierpreisen am Abend in der Innenstadt schlucken mussten, wie muss es wohl dann erst für einen normalverdienenden Kasachen sein? Trotzdem wurde es noch ein netter Abend mit den beiden Amerikanern und den beiden Finnen bei türkischer Küche und Bierchen.

Am nächsten Tag gingen wir mit den beiden Ami´s Madison und Jake zum Markt, während Herman und Elina noch eine Versicherung besorgen mussten. Die Händler waren gut drauf und ließen uns (uns zwei, die Ami´s hatten Angst vor Keimen) eine Menge kosten. Auch hier gibt es eine kleine koreanische Minderheit und so kosteten wir uns durch eine Menge Kimchi, Tofuhaut und Algensalat und nahmen natürlich auch etwas mit. Mit Pistazien, sauer eingelegten Gemüse und unseren koreanischen Köstlichkeiten gingen wir noch etwas durch die Stadt und ließen uns dann zum Mittag eine große Portion Sushi schmecken. Da es bei uns fast jede Woche einmal Sushi gibt, musste das einfach mal wieder sein. 

Um 16 Uhr trafen wir uns wieder mit Elina und Herman, weil wir an diesem Tag noch ein paar Kilometer machen wollten. Aus Almaty heraus machten wir jedenfalls erstmal nicht so viel Strecke, denn nur zäh schlich sich der Verkehr aus der Stadt heraus. Wir kamen bis auf das Drittel der Strecke zwischen Almaty und dem Balkashsee, dann ließen wir uns einem Feld nieder. Auch hier hätte so mancher illegaler Hobbygärtner wieder seine helle Freude gehabt. 😉 

Unser nächstes Ziel war der äußerste Norden des Balkashsees, doch die Fahrt dahin war keine wahre Freude. Riesige Spurrillen und Schlaglöcher ließen es manchmal nur übrig, neben der Straße zu fahren. Dabei hatten wir doch mit Absicht die westliche Route um den Balkashsee genommen, weil die östliche autozerstörend sein soll. Doch am Ende des Tages war Besserung in Sicht. Kurz vor dem Ort Balkash fuhren wir von der Straße ab an den See. Direkt am See campen? So gut wie unmöglich, denn die Kasachen haben scheinbar noch nichts vom Prinzip „keine Spuren hinterlassen“ gehört. Zehn Meter entfernt mit Seeblick war es aber auch genial. Im Sonnenuntergang bei geschätzten 10 Grad Außentemperatur schmissen wir uns mit den Finnen noch einmal zum Schwimmen und Körperreinigung in den See. Die riesige Pfanne Chili sin Carne, die wir mit Herman und Elina teilten, heizte uns danach wieder gut ein. 

Der Weg setzte sich am nächsten Tag in Richtung Karaganda fort. Nach einem kurzen Stopp zum Vorräte auffüllen, ging es noch ein bisschen weiter in Richtung Grenzstadt Pavlodar. Obwohl die Straßen besser waren, ist Fahren in Kasachstan ermüdend. Die Weite ist beeindruckend, aber Kasachstan wird zum großen Teil von flacher Steppenlandschaft bedeckt. Unterbrochen von den größeren Städten, ein paar Nationalparks und ein paar Kamelen ist da nicht so viel. Nicht so verwunderlich, dass wohl viele Gulaggefangene in Kasachstan nach ihrer Befreiung dachten, sie wären in Sibirien inhaftiert gewesen. Wer Ruhe und Weite sucht, wird sie aber hier definitiv finden. 

Am Abend wurden beim Campen auch die Temperaturen sibirisch. Eingemummelt mit sämtlichen Klamotten, die wir hatten, standen wir nach einer guten Portion saure Eier mit Rote Bete Salat am lodernden Feuer. Die Nacht wurde auf meiner kaputten Isomatte grenzwertig fröstelig. 

Am Morgen war bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt dichter Nebel aufgezogen. Frierend steckten wir das klitschnasse Zelt einfach in den Müllbeutel und wärmten uns etwas bei Tee und Kaffee auf. Ganz schleichend waren wir vom Maximalgebrauch der Klimaanlage über Fenster öffnen auf das Anschalten der Heizung übergegangen. Wir hatten nicht gedacht, dass es plötzlich so abkühlen würde. Gegen um drei Uhr kamen wir an der kasachisch-russischen Grenze an. Zwei Autos vor uns versprachen erstmal schon etwas Gutes, obwohl wir in einer ähnlichen Situation letztes Jahr von der Ukraine aus 5,5 h nach Russland gebraucht hatten. Also abwarten und Tee trinken.

Fazit Kasachstan: Kasachstan ist das 9.-größte Land der Welt und ist immer noch echt riesig. Weite Teile davon ist Steppe. Wer Kasachstan besuchen will, der braucht einen Mietwagen oder noch besser Inlandsflüge. Wer bereit ist, große Strecken auf sich zu nehmen, wird mit florierenden Partystädten, Kultur, Baden im Kaspischen Meer, Geschichte (z.B. Karlag-Museum bei Karaganda) oder auch Wandertouren in den Bergen ein abwechslungsreiches Programm zusammenstellen können.

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Fleischabteilung in der Markthalle in Almaty. Und wir machen uns wegen der Kühlkette ins Hemd..
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Gut gelaunte Standbesitzer ließen uns nicht nur eine Menge leckere Früchte und Nüsschen kosten, sondern…
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…“zwangen“ uns auch zu diesem Kussfoto… Zur Erheiterung der ganzen Martkhalle 😀
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Erster Campingplatz in Kasachstan auf halben Weg zwischen Almaty und dem Balkashsee
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Zweiter Campingplatz am Balkashsee. 
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Sonnenuntergang am Balkashsee
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Dritter Campingplatz 100 km nordöstlich von Karaganda.
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Flipper und ich.
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Abfahrt letzten Mal Campen in Kasachstan.

 

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Auf Nebelsuppe und Regen und gleich zwei Regenbögen übereinander. Das sieht man nicht alle Tage…

 


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