03.10. – 14.10.2018 Nepal/ Christian auf dem Poonhilltrek

Namaste aus Nepal und warum wir seit Nepal mal getrennt gereist sind:

Am Tag der deutschen Einheit sind wir von Amritsar (Indien) über Delhi nach Kathmandu (Nepal) gestartet. Einen Tag später trafen wir zwei Freunde von Anika und erledigten dann noch den notwendigen Papierkram, kauften Ausrüstung, sortierten und packen unseren Rucksack um.

Schon länger war ich mir unsicher, ob ich mir den 12-14-tägigen Annapurna Curcuit als blutiger Trekkinganfänger wirklich zumuten soll. Nie zuvor war ich über mehrere Tage gewandert und noch dazu auf einer Höhe von teilweise mehr als 5000m. Ich war nicht wirklich überzeugt von der Idee und mir fehlte der nötige Enthusiasmus – anders als bei Anika und ihren Dresdner Freunden. Wir hielten es deshalb für besser, vorerst getrennte Wege zu gehen. Ein weiterer Grund, warum ich mich keine drei Wochen in Nepal aufhalten wollte war, dass mein bester Freund, dessen Eltern und Frau ab dem 12.10. in Hongkong sind. Lillian, die Ehefrau Thommys, stammt ursprünglich aus Hongkong und freute sich schon ihren Schwiegereltern und Thommys Trauzeugen ihre Stadt zu zeigen. 

Am 06.10. nahmen Anika, deren Freunde und ich morgens gemeinsam den Bus und stiegen dann an unterschiedlichen Stellen aus. Ich fuhr nach Pokhara, von wo aus ich am nächsten Tag den 5-tägigen Poonhill-Trek in Angriff nehmen wollte. Der Abschied kam abrupt und die erste Nacht allein war wirklich merkwürdig. Schließlich waren wir die letzten 3 Monate jeden Tag, jede Stunde und Minute zusammen gewesen.

Als ich abends durch die Stadt schlenderte, fing es plötzlich an zu regnen wie aus Eimern. Ich hatte keine Regenklamotten dabei und sah zwei Traveller, die sich auch gerade in Sicherheit brachten. Ich schlug vor, den Regen bei einem kühlen Hopfengetränk abzuwarten und lernte gleich nette Menschen kennen. Bill beispielsweise war zuvor auch in Indien und hatte sich dort einen Opel Corsa gekauft, mit dem er dieses riesige Land bereiste.
Etwas verkatert stand ich den nächsten Morgen um sechs Uhr auf, um irgendwie nach Nayapul, dem Start des Poonhill-Treks zu kommen. Ich nahm das Taxi zum örtlichen Busbahnhof und fand auch im Bus gleich wieder Anschluss. Mit Konstantin, gebürtigen Berliner und angehenden Mediziner bestritt ich die ersten Kilometer, bis es wieder einen heftigen Wolkenbruch gab. Also setzten wir uns, tranken Tee, aßen Mittag und warteten. Zu uns gesellte sich nach einiger Zeit Lucy, gebürtige Tschechin, die jetzt allerdings in Neuseeland lebt. Wenig Später kam noch eine gemischt-nationale Gruppe junger Trekker an, mit denen wir uns gleich gut verstanden.

Die erste Nacht verbrachten wir dann in Urelli, einem Örtchen, das ungefähr 10 Kilometer, 1049 Höhenmeter und circa 5000 Stufen vom Startpunkt entfernt lag. Damit waren wir weiter getrekkt, als die eigentliche Routenplanung das vorsah. Nach dem Abendbrot sind wir alle halbtot ins Bett gefallen. Die Gasthäuser in der Annapurnaregion sind meist sehr, sehr einfach und außer einem Bett gibt es in den Zimmerchen nichts – nicht einmal eine Heizung. Dass auf unserer Etage auch das Heißwasser der Dusche nicht funktionierte, stellte ich erst fest, als ich schon fast fertig mit duschen war. 

Nach einem einfachen Frühstück starteten wir den nächsten Tag nach Ghorepani. Die Strecke sah für heute „nur“ 8 Km und 780 Höhenmeter vor. Wieder mussten wir unzählige Steinstufen bezwingen aber mein Körper wollte nicht mehr so gut funktionieren wie am Tag zuvor. Hatte ich mich übernommen? War das bereits die Höhe? Hatte ich mir irgendwas eingefangen? Als wir in Gohrepani ankamen, war ich völlig erledigt. Der Rum am Abend erweckte zwar kurz ein paar Lebensgeister, machte allerdings das Aufstehen um fünf Uhr morgens nicht besser.  Hinzu kamen Halsschmerzen und tierische Bauchschmerzen. In diesem Zustand und ohne Frühstück quälte ich mich zusammen mit Konstantin, Lucy und Esther die 1,5 Kilometer und 370 Höhenmeter zum Poonhill hinauf. Wir hatten das Ziel des Treks erreicht und hatten einen überwältigenden Blick auf den Himalaya. Wir sahen beispielsweise den Ohaulagiri mit 8171m, den Annapurna South mit 7219m, den Nilgiri mit 7061m und natürlich den Annapurna I mit 8091 m.  Was für ein Anblick! Leider musste ich meinen Blick immer wieder abschweifen lassen und die nächste Toilette aufsuchen.

Als wir zurück im Guesthouse in Ghorepani waren und beim Frühstück saßen, ging nichts mehr, ich musste zurück ins Bett. Konstantin und Esther verabschiedeten sich schweren Herzens. Lucy, die ebenfalls Probleme mit dem Magen hatte, wollte sich mir anschließen. Wir entschieden uns dagegen den Trek, wie geplant weiterzulaufen und gingen stattdessen denselben Weg zurück und ersparten uns damit einen Tag. Nach dem Mittag machten wir uns auf den Weg nach unten und erreichten gegen 17 Uhr Hile. Damit waren wir heute mehr als 1700m abgestiegen. Die Knie  schlotterten und mir ging es nicht wirklich besser. Ich ging um acht Uhr schlafen. 

Am 10.10. bestritt ich mit Lucy die letzte Etappe und wir konnten bergab sehr gut Strecke machen. Bereits mittags erreichten wir Birthetanti und damit den Checkout-Punkt für die Annapurna-Region. Wir wollten gerade weiter nach Nayapul laufen, als Konstantin von einer Dachterrasse rief und sich ziemlich freute uns wieder zu sehen. Er hatte die Strecke, die man normalerweise an drei Tagen macht, innerhalb von1,5 Tagen geschafft – Was für ein krasser Typ! Wir teilten uns zu dritt ein Taxi zurück nach Pokhara und verabredeten uns zum Abendessen. In Pokhara, der drittgrößten Stadt Nepals gibt es wie in Kathmandu so ziemlich alles. Konstantin hatte für unser Dinner eine Pizzaria ausgesucht, die in einem echten Steinofen tatsächlich eine ganz gute Pizza hinbekamen. Die vielen Chilli auf der Pizza sorgten dafür, dass ich mich am nächsten Tag wieder nicht so gut fühlen und den ganzen Tag im Bett/Hotelzimmer verbringen sollte. 

Am 12.10. verabredete ich mich mit Konstantin am Busbahnhof, um denselben Bus zurück nach Kathmandu zu nehmen. Für die rund 200 Kilometer brauchte unser Bus 9,5 Stunden und hatte damit eine ganz passable Reisegeschwindigkeit. Zum Vergleich: Der Hinweg dauerte inklusive Reifenpanne etwa 11 Stunden. Warum So lange für so eine kurze Distanz? Die Straßen sind einfach nicht gemacht für die Menge an Fahrzeugen. Es kommt vor allem in der Nähe der größeren Städte immer wieder zu Staus. Außerdem sind die Straßen häufig derartig schlecht, dass die durchschnittliche Geschwindigkeit für alles außer Motorräder bei irgendwas zwischen 15 und 30 km/h liegt. 

Wir verabredeten uns, um am Abend ein paar Abschhiedsgetränke zu nehmen, denn Konstantin flog am 13.10. zurück nach Indien, wo er einen Teil seines Praxisjahres in einem indischen Krankenhaus absolvierte. Wir klapperten einige Bars ab und endeten in einer nepalesischen Disco, wo sich kaum Touristen dafür aber viele Einheimische vergnügten. 

Den nächsten Tag gönnte ich mir ausgiebigen Schlaf und ging dann noch ein wenig shoppen. In Kathmandu gibt es unzählige Shops, die gefälschte Outdoor-Markenklamotten zu günstigen Preisen anbieten.  Ich nahm mir den ganzen Nachmittag Zeit und war, glaube ich noch nie so lange „Shoppen“, weil das normalerweise überhaupt nicht mein Ding ist. Wenn ich mir zu Hause Klamotten kaufe, bin ich normalerweise nach maximal 25 Minuten wieder aus dem Geschäft draußen.

Zum Abendessen ging ich in ein vegetarisches Restaurant und aß eine leckere gemischte Platte mit Spezialitäten aus der nahöstlichen Küche, was mal eine echte Abwechslung zu Momos (gefüllte Teigtaschen), Fried Noodels oder Nudelsuppe darstellte. Beim Essen fühlte ich mich das erste Mal alleine und ein wenig traurig und wäre froh gewesen, dieses ohnehin viel zu üppige Mahl mit Anika teilen zu können. Nach dem Essen schaute ich nur noch ein, zwei Filme und relaxte im Bett. Plötzlich war ich wieder recht zufrieden mit mir und meiner Situation, war zur Abwechslung mal völlig alleine und fand es fantastisch mich mit niemanden unterhalten zu müssen.

Heute (14.10.) Abend um 23:00 fliege ich dann nach Hongkong. Ich freue mich auf neue Erfahrungen und auf vertraute Gesichter. Ich freue mich weiter absolut unabhängig zu sein zu können, oder mich einfach den Thommys anzuschließen. Ich freue mich neue Geschichten zu erleben und diese dann später mit Anika teilen zu können. ❤

Ich werde vermutlich nur bis 20.10. in Honkong bleiben, weil danach auch die Thommys abreisen und Hongkong auch ein teures Pflaster ist. Mit Anika werde ich mich vermutlich am 27.10 wieder treffen. Wo ich die Woche bis dahin verbringe weiß ich noch nicht. Allerdings habe ich viele Ideen und viele Möglichkeiten…

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Auf dem Weg nach Tikhedhungga
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Einige wenige der mehr als 5000 Stufen auf dem Poonhill
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Erster 8000-er Blick
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Blick aus dem Fenster des Guesthouse in Ghorepani
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Morgenpanorama auf dem Gipfel des Poonhill
sdr
Abstieg vom Poonhill
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Himalaya
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Sonnenaufgang am Poonhill
sdr
Dem Himmel so nah. 
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Feiern der erfolgreichen Bergbesteigung mit Konstantin
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Pagode in Kathmandu
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Hinduzeromonie in Kathmandu
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Im „Garden of Dreams“ in Kathmandu
sdr
Garden of Dreams

 

 


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