14.10. – 20.10.2018 Christian mit Christian in Hongkong

Am Airport in Kathmandu braucht man Zeit. Viel Zeit, denn die Schlangen sind lang, die Passagiere zahlreich und das Personal gründlich und langsam. Ich war drei Stunden eher am Airport und dennoch wurde es am Ende ein bisschen knapp. Um 23:40 Uhr hob dann die Maschine der Cathay-Dragon-Airline ab und der Flug war sehr angenehm. Die Sitze sind breit, es gibt ein gutes Entertainmentsystem in jedem Sitz und es gab Wein frei Haus. Dennoch war die Nacht kurz. Nach nur vier Flugstunden landete ich in der Sonderverwaltungszone Hongkong. Hongkong als ehemalige britische Kronkolonie wurde erst 1997 von den Briten an die Volksrepublik China zurückgegeben und seitdem ist der staatenrechtliche Status umstritten. Und auch wenn die Festlandchinesen Hongkong als ein Teil ihres Landes ansehen, sehen dass die Kantonesen anders. Die Frage, ob Hongkong ein eigenes Land ist, ist schwierig und lässt sich mit dem Verweis auf die eigene Währung, die eigene Flagge, die eigene Kultur, dem Kantonesichen als Landessprache und auch anderen Verkehrsregeln beantworten.

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Landeanflug bei Sonnenaufgang

Als ich am morgen landete besorgte ich mir noch eine Simkarte mit unbegrenzten Datenvolumen und eine Octopuscard, mit der man Bus und Bahn fahren, aber auch in vielen Geschäften bargeldlos bezahlen kann.  Ich fand mich im Nahverkehrsnetz unglaublich gut zurecht und schlug gegen acht Uhr morgens in Monkok, dem „Hipsterviertel“ Hongkonks auf. Ich ging zuerst in die AirBnB-Wohnung der Thommys und versuchte noch ein wenig Schlaf nachzuholen. Lillian, Thommys Frau führte uns dann am Nachmittag durch ihre Stadt und wir besuchten beispielsweise den Wetmarket, wo es allerlei Meeresbewohner zu kaufen gab. Aber auch der Fleisch- und Gemüsemarkt war ein Erlebnis, denn man hat immer wieder den Eindruck bekommen, dass die örtliche Bevölkerung wirklich alles von einem Tier verwertet. Gerade Teile, die wir eher als Abfall betrachten (wie Hühnerfüße, Därme, Schweinenasen uvm.), werden hier mit Leidenschaft gegessen.

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Auf dem wet market
sdr
Kein Grund zur Traurigkeit trotz mannigfaltiger Leichenteile
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Auch Gemüse gab es auf dem wet market

Am Abend trafen wir uns noch mit Lillians Familie zum gemeinsamen Dinner, bei dem man natürlich höllisch aufpassen musste, nicht in die vielen Fettnäpfchen zu treten, die die Kantonesischen Gepflogenheiten so mit sich bringen. Wenn es in Deutschland eher als unhöflich gesehen wird, wenn man sich zuerst auf das Essen stürzt, so wird das hier regelrecht erwartet. Zuerst sollen die Gäste sich satt essen, bevor die Gastgeber ans Essen denken. Verrückt ist auch, dass am Anfang häufig eine Kanne Tee serviert wird, die aber nicht in erster Linie zum Trinken gedacht ist. Vielmehr soll damit das eigene Besteck und Schüsselchen ausgewaschen werden. 

Am nächsten Tag schliefen wir bis Mittag, denn wir hatten am Abend noch ziemlich lange zusammengesessen. Es gab schließlich ziemlich viel zu erzählen und statt in meinem gebuchten Hostel, übernachtete ich auf der gemütlichen Couch der AirBnb-Wohnung. Am Nachmittag besuchten wir die Überreste der Kowloon Walled City. Diese Stadt in der Stadt war zu Zeiten der britischen Besatzung ein von China kontrolliertes Gebiet. Immer mehr Menschen suchten hier damals Zuflucht vor den britischen Besatzern. Es wurden immer mehr Wohnungen gebaut und die Menschen wohnten auf engsten Wohnraum, wie man es sich kaum vorstellen kann. Immer mehr Menschen zogen in die Stadt in der Stadt und Drogenkriminalität, Prostitution und die Triaden-Mafia florierte. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Gelände dieser Stadt ein botanischer Garten, der aber leider völlig verwüstet von einem Taifun Mitte September vorzufinden war.

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Miniaturmodell der „walled city“

Abends hatten wir wieder ein gemeinsames Abendessen und ich verbrachte die Nacht in meinem Hostelbett. Die Nacht war gut, aber einer meiner Zimmergenossen festlandchinesischer Abstammung räusperte sich morgens beim Aufstehen so penetrant, dass ich überlegte, ob ich noch irgendwo Bonbons habe. Nachdem er allerdings derartig laut und rücksichtslos zusammenpackte und beim Gehen auch noch die Tür offenstehen ließ, war ich froh, dass ich mir nicht die Mühe gemacht hatte nachzusehen.

Am 17.10. fuhren die Thommys in das Fischerdorf Tai O. Ich schlief zu lange und verpasste den Anschluss. Machte allerdings nichts, denn so konnte ich ein wenig auf eigene Faust die Stadt erkunden. Ich besuchte den Wong Tai Sin Tempel, ein daoistisches Heiligtum mit einem schönen Garten mit Teichen und Kois. Danach fuhr ich zum Chi Lin Nonnenkloster, welches ebenfalls ein Tempel, allerdings ein buddhistischer ist. Dieser ist zur Zeit das größte handgearbeitet Holzgebäude der Welt, bei dem das dunkle Zypressenholz durch ein raffiniertes Stecksystem und keinen einzigen Nagel zusammengehalten wird.

sdr
Tempel zwischen den Häuserschluchten 
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Selbst die Statuen hatten sich in Schale geworfen für meinen Besuch
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Wong Tai Sin Tempel
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Botanischer Garten am Chi Lin Nonnenkloster
sdr
Die goldene Pagode strahlte heller, als die Sonne an diesem Tag

Nachdem ich abends mit Thommys Eltern und Lillians Schwester sowie deren Freund ein traditionelles Restaurant besucht hatte, versumpfte ich mit Thommy noch bis zum Morgengrauen. Die Spätshops versorgten uns mit reichlich Flüssignahrung und sorgten dafür, dass ich den nächsten Tag erst zum Abendessen das Haus verließ. Heute am 19.10 besuchten wir die große Buddhastatue im Südwesten Hongkongs. Dorthin gelangten wir mit einer Seilbahn, die 25 Minuten verschiedenste Meeresarme, Schluchten und Berge überquerte. Der Buddha hier war bis 2011 die größte Buddhastatue der Welt, bis sie von den Taiwanesen auf Platz Nummer zwei verbannt wurde. Wir nahmen noch ein gemeinsames Abendessen ein und verabschiedeten uns. 

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Hongkongs Skyline
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Per Gondel auf dem Weg zum Riesenbuddha
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Wie kommt der denn hier hin???
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Die Wächterinnen des Riesenbuddhas
sdr
True Love 😉
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Riesenbuddha 

sdrMorgen werde ich dann kurz nach dem Mittag einen Flieger nach Hanoi nehmen und freue mich auf ein weiteres, neues Land. Ich freue mich auch darauf nicht mehr bei jedem Essen ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Budget zu bekommen und wieder ein wenig mehr Platz zu haben. Denn hier in Hongkong ist Platz Mangelware und das Hostel verfügt beispielsweise nicht einmal über einen Gemeinschaftsraum, in dem man sich mal setzen und am Laptop datteln kann. In vielen Restaurants hängen Schildchen, den Tisch doch gemeinschaftlich mit anderen Fremden zu teilen. Bei Banken hängen manchmal auch Angebote für den Kauf von Eigentumswohnungen aus. Da muss man schon mit 800.000€ für eine 60m²-Wohnung rechnen – irre!

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Blick in den wundervollen Innenhof meines Hostels

Hongkong war auf jeden Fall eine Reise wert, auch wenn ich froh bin diese Häuserschluchten jetzt zu verlassen. Ich freue mich in ein paar Tagen meine bezaubernde Freundin wieder zu sehen, denn langsam vermisse ich sie wirklich schmerzlich. Ich bin gern frei und unabhängig, doch noch mehr mag ich es sie an meiner Seite zu haben.

 


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