26.10. – 01.11.2018 Anika mit Hoffi in Hong Kong

Nachdem ich nach einer Nacht in einem vollkommen leeren Hostel in Flughafennähe in Kuala Lumpur verbracht hatte, ging es weiter nach Hanoi. Auf Vietnam hatte ich mich mit am meisten von allen Ländern auf dieser Reise gefreut und als ich bei einer älteren Frau Platz nahm, die sich mit ihren an einer langen Stangen befestigten Körben am Straßenrand niedergelassen hatte, wusste ich auch, warum. Die vietnamesischen Frühlingsrollen mit Reisnudeln und viel frischen Kräutern waren eine absolute Geschmacksexplosion. Die nächsten zwei Tage bis zu meinem Flug nach Hong Kong streifte ich durch Hanoi immer auf der Suche nach leckeren Essen. Egal, ob Suppen, Salate oder auch Schnecken mit Zitronengras. Alles schmeckte himmlisch und war so leicht und frisch, dass man sich nicht mal Sorgen machen musste, in den Flieger nach Hong Kong nicht mehr wegen Übergewicht eingelassen zu werden. 

Am 28.10.2018 hob also der Flieger in das nur eine Stunde entfernte, mehr oder wenige autonome Gebiet Chinas ab. Nach zwei Tagen des Chaos in Hanoi war ich nun noch mehr überrascht, wie geordnet und sauber hier alles ist. Sogar für den klimatisierten Bus, der in die Innenstadt Hong Kongs fuhr, gab es eine geregelte Wartelinie. Angekommen in der Nähe von der Unterkunft war ich erst einmal ein bisschen überwältigt. Ich hatte sie ja vom Bus aus schon gesehen, aber wenn man inmitten dieser Wolkenkratzer steht, dann ist das schon etwas anderes. Welcher von diesen Genickschmerzen verursachenden, riesenhaften Gebäuden war nun das, wo das Zimmer war? Nachdem ich es gefunden hatte, ließ mich Hoffi in das winzig kleine Zimmer ein. Wohnraum ist knapp und teuer in Hong Kong und so waren wir froh, nicht für Unmengen von Geld wenigstens etwas im Zentrum gefunden zu haben. Trotz dass es Hoffi nicht so gut ging, liefen wir noch ein wenig herum und suchten uns ein einigermaßen preiswertes, aber erstaunlich wenig gewürztes, Nudelgericht. 

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Riesige Gebäude, Neonreklamen, eine Überforderung für alle Sinne

Am nächsten Tag ging es Hoffi so schlecht, dass wir in Krankenhaus fahren mussten und dann mit Hin- und Rückfahrt fast den ganzen restlichen Tag dort verbrachten. Eine Infektion wurde festgestellt und Antibiotika verordnet. Das private Krankenhaus war moderner als man das von unseren Krankenhäusern kennt, aber Luxus hat natürlich auch seinen Preis. Wer ohne Krankenversicherung auf Reisen geht, der muss entweder reich oder wahnsinnig sein.

Am dritten Tag gab es für Hoffi Bettruhe und ich stürzte mich ein bisschen in die Metropole. In einer mehrstöckigen Mall, indem es nichts anderes als ein Elektrostand am anderen gab, erwarb ich nach ein bisschen Umherschauen eine Festplatte, eine neue Powerbank und zwei SD-Karten für einen geringeren Preis als zuhause. Nach einer Benachrichtigung von Hoffi, dass er nun auch noch hohes Fieber hätte, fuhr ich zurück in die Unterkunft. Als ich mich endlich wieder mit den Öffis zurück gekämpft hatte, war das Fieber zum Glück schon wieder gesunken. Da der Nachtmarkt in meiner Nähe leider nicht wie erhofft leckeres Essen, sondern nur Souvenirs und Klamotten zu bieten hatte, wanderte ich durch die Stadt, bis ich den Anleger der berühmten Star Ferry erreichte, welche die Einwohner und Touristen Hong Kongs als Alternativweg zur U-Bahn zur durch eine Meereseinschnitt getrennten Hong Kong Island bringt. Hier hat man einen guten Blick auf die Skyline Hong Kongs, die nachts in allen Farben leuchtet. Da hier auch noch ein paar asiatische Bands live und kostenlos Musik machten, setzte ich mich ein bisschen auf den Pier und genoss den Blick bei angenehm lauschigen Wetter. Ein paar junge Kantonesen, die neben mir Platz genommen hatten, schenkten mir einfach so ein Bier. Was ein schöner Abend. Wer denkt, dass Hong Kong ja auch nur China ist, der liegt komplett falsch. Wir waren noch nicht dort, aber das Flugzeugerlebnis von Russland aus, hatte das Bild nur bestätigt, dass wir von den Festlandchinesen hatten. Immer zu viele, zu laut, kein bisschen rücksichtsvoll. Die Kantonesen sind in ihrer Mentalität ganz anders. Sie entschuldigen sich, wenn sie einen aus Versehen anrempeln, sind aufmerksam, leise und sehr freundlich. Verständlich, dass Lilian, eine in Hong Kong gebürtige Freundin von uns, sehr unangenehm wird, wenn sie jemand mit den Festlandchinesen über einen Kamm schert. 

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Skyline Hong Kong
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Skyline Hong Kong
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Geschenktes Bier vor der Skyline Hong Kong – perfekt!

Der nächste Tag begann für Hoffi wieder mit unerträglichen Schmerzen, das Antibiotikum schien nicht anzuschlagen. Also ging es erneut ins Krankenhaus und nach etlichen Untersuchungen und 8000 € Anzahlung stand fest, dass noch heute operiert werden sollte, da die Infektion entfernt werden musste. Obwohl es nur ein kleiner Eingriff war, zitterte ich nicht nur wegen der arktischen Klimaanlagenkälte in diesem Krankenhaus ziemlich. Ich war mehr als froh, als Hoffi dann noch kräftig beduselt, aber gesund wieder aus dem OP-Saal kam und ich nach Mitternacht an diesem Tag wieder in die Unterkunft zurück fuhr. 

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Hauptattraktion für mich in Hong Kong- das Krankenhauszimmer. Fazit: Muss nicht sein, aber lässt sich aushalten…

Nach einem Krankenhausbesuch am nächsten Tag und der Versicherung, dass die OP geholfen hatte, fuhr ich mit den Öffis zum Tian Tan Buddha, einem der größten sitzenden Buddhastatuen der Welt. Die Seilbahnfahrt dort hoch und runter wurde mit 20 Euro ein teures Vergnügen und die Aussicht vom Berg war leider auch nicht die Beste. Nach einstündigen Anstehen, um die Bahn wieder nach unten zu bekommen, versuchte ich noch, die Lightshow zu erwischen, die jeden Tag am Ableger der Star Ferry beginnt und 10 Minuten zu Musik die Skyline in allen möglichen Farben und Formen blinken und erstrahlen lässt. Leider war ich etwas spät dran und sah nur noch die letzten Lichter, bevor ich noch einmal ins Krankenhaus zurück kehrte. 

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Typische kantonesische Spezialität – Knusprigen Enten
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Brücke ins Nirgendwo. Die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke, die seit der Eröffnung 2018 längste Meeresbrücke der Welt. Fotografiert  von der Seilbahn zum Buddha.
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Tian Tan Buddha
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Tian Tan Buddha
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Tian Tan Buddha

davNach einem allerletzten Besuch im Krankenhaus am nächsten Tag verabschiedeten Hoffi und ich uns zum zweiten Mal. Wenn alles gut ging und seine Wunde gut verheilte, würden wir uns zusammen mit seiner Freundin Resi in Vietnam wiedersehen. Mit einer ordentlichen Portion chinesischer Dumplings bewaffnet, stieg ich in den Zug zum Flughafen und stellte mich an, um mein  Gepäck aufzugeben. Souverän gab ich meinen Pass der Check-In-Dame, die mich darauf aufmerksam machte, dass dies nicht mein Pass sei. „Wie? Nicht mein Pass?“, dachte ich und brach sofort in Schweißströme aus, als ich das Passfoto sah. Es war Hoffis Pass, den ich gebraucht hatte, um für ihn das Finanzielle im Krankenhaus zu regeln, während er noch in den Untersuchungen war. In aller Aufregung hatte ich einfach vergessen, diesem ihm wiederzugeben. Im Gegensatz zu uns war dies sein einziger Pass, also musste eine Lösung her. Nachdem ich daran gedacht hatte, ihn als Fundsache abzugeben und die Polizei mir nur einen Vogel zeigte und meinte, dass sie doch nicht die Gepäckaufbewahrung wären, biss ich nach Rücksprache mit Hoffi in den sauren Apfel und gab ihn für 16 Euro pro Tag (genauso viel wie für größere Gepäckstücke) an der Gepäckaufbewahrung ab. Es gab ja noch nicht genug Action bei diesem Hong Kong Aufenthalt 😉

Fazit Hong Kong: Hong Kong ist geordnet, geregelt, sauber. All diese außergewöhnlichen Eigenschaften für Asien haben ihren Preis. Fast alles ist richtig gut teuer und macht einen längeren Aufenthalt für Budgetreisende fast nicht möglich. In wenigen Tagen kann man sich aber auch wegen des guten öffentlichen Nahverkehrs eine Menge angucken (wenn man nicht die meiste Zeit im Krankenhaus ist :D) Trotz aller Aufregung war es beruhigend zu sehen, dass man auch im Ausland mit der richtigen Versicherung professionelle Hilfe bekommen kann. Es war mal ein Erlebnis, in diesen Großstadtdschungel abzutauchen, doch eigentlich würde ich lieber den richtigen Dschungel vorziehen. Bewundernswert, wie die Kantonesen das machen, in einer so wenig natürlichen und wahnsinnig teuren Umgebung, ihr Dasein zu gestalten. 


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