07.12.2018 – 13.12.2018 Laos

Nach einem kurzen Flug von Bangkok nach Vientiane, der Hauptstadt von Laos, atmeten wir erleichtert auf. Schon beim Aussteigen aus dem Flieger merkten wir, dass das Wetter hier nicht mehr wie befürchtet barbarisch warm war. Auch das Visa on arrival für 30  US-Dollar für einen Aufenthalt bis zu 30 Tagen wickelte sich in dem kleinen Flughafen effektiv und zügig ab. US-Dollar sind auch hier wichtig, da die Zahlung in thailändischen Baht teurer und in Euro unmöglich ist. Schon aus dem Flieger hatten wir gesehen, dass Vientiane so ganz anders als Ho-Chi-Minh-City oder Bangkok ist. Ganz klein mit keinen großen Häusern erinnert es eher an ein Dorf als eine Hauptstadt eines Landes. Auch von den Besucherzahlen ist das Land eher die Stieftochter zwischen seinen südostasiatischen Nachbarn Thailand, Vietnam und Kambodscha. Die beiden ersteren spielen neben Frankreich auch eine große Rolle dabei, dass Laos leider/zum Glück noch recht wenig entwickelt ist. Jahrelange Besetzung und Unterdrückung durch diese Staaten verursachten, dass Laos erst im Jahre 1949 mit etlichen folgenden politischen Wirren zur Unabhängigkeit kam. Noch heute können etwa 1/3 der Menschen nicht lesen oder schreiben und viele Kinder brechen schon in der Grundschule die eigentlich 8-jährige Schulpflicht ab, um ihrer Familie bei der Feldarbeit zu helfen.

Als wir unsere Route für die 6 Tage durch das Land planten, merkten wir gleich, dass man hier nicht schnell von A nach B kommt. Das Land ist noch immer sehr arm und die Infrastruktur dementsprechend schlecht ausgebaut. Gerade das und der fehlende Zugang zum Meer sind wohl auch Ursachen für die relativ wenigen Touristenzahlen. Uns, denen Länder, über die man am wenigsten hört, oft am meisten interessieren, waren sehr gespannt, was uns erwartete.

Am Tag der Ankunft und am nächsten Tag genossen wir nach dem Trubel Bangkoks erst einmal die Ruhe Vientianes, schlenderten durch die Straßen und über den Nachtmarkt, schlürften Kaffee und „Beer Lao“, das laotische Bier. Es klingt komisch, aber man kann auch vom Reisen müde werden. Oft prasseln so viele Eindrücke auf einen ein, dass man gar nichts mehr neues aufnehmen kann. Natürlich gibt es überall so viel in jeder Einzelheit zu entdecken, aber manchmal muss man sich regelrecht zwingen, nicht alles angucken zu wollen, weil man es irgendwann nicht mehr mit vollen Enthusiasmus und voller Aufnahmefähigkeit tut.

 Am Abend des zweiten Tages stand eine Busfahrt an, vor der es uns Autoverwöhnten schon echt graute. Wir wollten mit dem Nachtbus ins 340 km entfernte Luang Prabang fahren. Wegen 340 km scheißen wir uns ins Hemd, das ist doch in maximal 5 h abgefrühstückt?! Denkste! Ganze 9 Stunden waren bis zum Erreichen des Zielortes angesetzt, welche man in Betten fristet, die in 3 Reihen in zwei Stockwerken im Bus so angelegt sind, dass die Beine komplett unter dem Sitz des Vordermannes verschwinden und der Rücken natürlich auch nicht komplett gerade liegt. Dazu kommt noch, dass sich auf diesem Weg gefühlt alle Serpentinen und Schlaglöcher dieser Welt befinden. Für viele Reisende, die in Südostasien unterwegs sind, hat es sich mittlerweile etabliert, in rauen Dosen Valium zu nehmen, das hier frei erhältlich in der Apotheke verkauft wird. Dass wahrscheinlich nicht gerade wenige dann aus ihrem Urlaubsaufenthalt auch eine super angenehme Opiatsucht mit nach Hause bringen, ist ihnen scheinbar scheißegal. Wir überlebten die Fahrt, welche im Endeffekt ganze 13 Stunden dauerte, auch so irgendwie und setzten sie nachher mit auf die Liste der unangehnehmsten Busfahrten aller Zeiten. (Es ist eine lange Liste :D)

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So sieht Begeisterung aus. Christian im Nachtbus nach Luang Prabang

Nach einem kleinen Mittagsschlaf gab es für uns ein laotisches Festmahl bestehend aus „Lap“ (Nationalgericht Laos, eine Art Fleischsalat mit vielen Kräutern und Gemüse), Papayasalat, einer tyischen laotischen Blutwurst und einem Gemüseeintopf. Alles wurde frisch gekocht und war ausgezeichnet. Nun hatten wir neue Energie gesammelt, das Ethnologiemuseum in Luang Prabang zu besichtigen. Hier sind traditionelle Kleidung, Musikinstrumente und andere kulturelle Güter der zahlreichen Minderheiten Laos ausgestellt. Man kann sich vorstellen, wie abgelegen viele dieser Völker wie zum Beispiel die Hmong leben, wenn man schon für eine Fahrt in die nächste Stadt 13 Stunden braucht. Ein bisschen schade war es schon, dass wir innerhalb dieses Trips keines dieser Völker besuchen würden, andererseits wird die Abgeschiedenheit ihnen auch hoffentlich helfen, ihren traditionellen Lebensstil weiter bewahren zu können.

Am zweiten Tag in Luang Prabang setzten wir unsere müden Glieder wieder in Bewegung und besichtigten zuerst den Royal Palace.

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Der buddhistische Tempel Haw Phan Bang Tempel im Komplex des Royal Palace
cof
Auch in Laos wird nicht mit Gold und Pomp an den Tempeln gespart

Gleich danach bestiegen wir den Mount Phou Si, einen 100 m hohen heilgen Berg für die rund 60 % Buddhisten im Land. Nach etlichen Treppen bald oben angekommen trafen wir durch Zufall Thibault wieder, mit dem Christian vor über einem Monat in Nordvietnam unterwegs war. Mal wieder ein Beweis dafür, dass die Welt doch kleiner ist, als man denkt.

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Tempel auf dem Weg hoch zum Mount Phou Si
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Buddha in Position „tot“
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Buddha in Position „Du kommst hier net rein!“ (eigentlich besänftigt er gerade die Fluten)
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Blick über Luang Prabang vom Mount Phou Si
sdr
Auf dem Mount Phou Si – Vielen Dank an die netten in die USA ausgewanderten Laoten
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Abstieg vom Mount Phou Si

Thibault berichtete uns von Wasserfällen in der Nähe der Stadt, in denen man auch baden kann. Er und die Wärme überzeugten uns zu einer spontanen Planänderung. Wieder unten in der Stadt liehen wir uns einen Roller aus und so fuhren wir durch die Dörfer in Richtung Wasserfall. Bald fuhren wir noch zwei ältere Inder über den Haufen, die kurz vor uns mit ihrem Roller zum glücklich glimpflich ausrutschten. So schnell kann es halt gehen. Im Gelände des Wasserfalls konnten wir noch eine andere Attraktion bestaunen, die uns positiv überraschte. Naturschützer hatten hier fünf Kragenbären aus der Gefangenschaft als Tanzbären aus winzigen Käfigen befreit, um ihnen hier anständiges Leben in einem weitläufigen Gehege zu geben. Nach einem kurzen Wegstück sahen wir dann auch zum ersten Mal die Kaskaden des Wasserfalls, welche wir erst hoch und wieder herunter bewanderten und dann schließlich im herrlich kühlen, klaren Wasser ein Bad nahmen.

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Ein Baun oder ganz viele? Tropischer Wald an den Kuang Si Wasserfällen
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Kaskaden des Kuang Si Wasserfalls
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Es klappert die Mühle am rauschenden Bach…
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Christian will sich lieber in die Fluten stürzen, als sich fotografieren zu lassen
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Aussicht auf den Urwald vom oberen Plateau des Wasserfalls

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Regenschirm – laotische Machart

So abgekühlt ließen wir uns die Haare im Rollerwind Richtung Luang Prabang trocken föhnen, wo wir gerade rechtzeitig im Sonnenuntergang zum Gebet der Mönche im prächtigen Wat Xien Thong Tempel ankamen. Der meditative Singsang der in safranfarbene Kutten gehüllten Mönche erzeugte eine ganz besondere Stimmung.

sdr
Wat Xien Thong Tempel
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Mönche und Hundi beim Gebet

Wir stürzten uns noch einmal ins Getümmel des Nachtmarktes, um unter anderen Christians neues Lieblingsdessert, kleine gebackene Kugeln aus Kokosnussteig zu genießen. Anschließend kehrten wir in der ziemlich großen Bar „Utopia“ ein, um mit zwei netten Deutschen noch das ein oder Bier zu schütten.

Am nächsten Morgen fiel das Aufstehen etwas schwerer, aber die Fahrt nach Vang Vieng stand an. Im Kleinbus 5 h zusammen gequetscht, wurde es dieses mal wieder ein super angenehme Überfahrt. Doch da Vang Vieng schon wieder auf dem Rückweg nach Vientiane lag, wussten wir, dass wir uns so wenigstens die ewig lange Busfahrt in zwei Teile spalten konnten. Vang Vieng war noch vor ein paar Jahren Partyhochburg Nummer 1 in Laos, doch nachdem etliche vor allem Australier beim beliebten Tubing (mit einem Reifen den Fluss hinuntertreiben lassen und dabei Unmengen an Alkohol und Drogen konsumieren) das Zeitliche im Fluss bzw. auf ihren Hotelzimmern gesegnet hatten, schob die Regierung einen Riegel vor. Seitdem geht es hier weniger wild und weniger tödlich zu. Genug Verrückte gibt es hier jedenfalls noch, zum Beispiel der deutsch-asiatische Besitzer eines deutschen Restaurants, der uns den ersten Abend beim Servieren eines Schnitzels mit voller Überzeugung erzählte, es wäre eine Weisung des Schicksals und der Geister gewesen, in Vang Vieng zu bleiben, als er bei einem Urlaub vor etlichen Jahren die Treppe hinunterfiel. Während Christian die mythische Atmosphäre am nächsten Tag nutzte, um mit einem geliehenen Mountainbike in der grünen Karstfelsenlandschaft umherzufetzen, genoss ich die Ruhe beim absoluten Nichtstun.

sdr
Aufstieg zum Aussichtspunkt in Luang Prabang. Sieht doch zuverlässig aus, oder?
sdr
Selfie muss sein 😀

Am Ende des Tages kamen wir in der legendären Sakurabar noch in den Genuss des ein oder anderen Bieres und kostenlosen Whiskeys, wo wir auch noch einmal Thibault wiedertrafen. Und täglich grüßt das (hopfenhaltige/französische) Murmeltier.

Mal wieder etwas verkatert nahmen wir am nächsten Tag Abschied von Vang Vieng und quetschten uns zum letzten Mal in den Kleinbus mit Ziel Vientiane. Mit dem schlechtesten Platz mit zwei anderen hinten auf der Rückbank wurde diese Fahrt noch einmal ein ganz besonderes Lowlight der Busfahrten. Noch dazu kam, dass mir bei der Ankunft im Hostel in Vientiane auffiel, dass mir 100 Us-Dollar fehlten. Auch mit einem Anruf beim Busfahrer waren diese nicht mehr aufzufinden. Der Hostelmitarbeiter entschuldigte sich noch dreimal bei mir, weil er davon überzeugt war, dass sich der Busfahrer das Geld in die eigene Tasche gesteckt hatte. Sehr ärgerlich, aber bei einem Monatsgehalt eines Busfahrers von nicht mal 300 US-Dollar schon irgendwie verständlich. Mit einer ausgezeichneten Pizza und einem gut gelaunten Tuk-Tukfahrer, der uns am nächsten Tag zum Flughafen brachten, endetn unsere kurze, aber schöne Zeit in Laos.

Fazit Laos: Laos mag ein armes, kleines Land sein, aber es ist reich an guten Essen, freundlichen Menschen und weitgehend unberührter Natur. So viele Vorteile der Tourismus für ein Land auch hat, er verändert es auch oft nicht nur zum Positiven. Laos ist noch ein eher ein Land für Entdecker und Abenteurer und ein Land, in dem man an vielen Orten tatsächlich noch mehr Laoten als Touristen trifft, was aber auch heißt, auf gewissen westlichen Standard zu verzichten. Wir würden gerne noch einmal (mit dem eigenen Auto 😀 ) wiederkommen und hoffen, dass das Land dann nicht, wie viele andere touristische Länder schon längst das Land ist, was die Touristen wollen, sondern seine Ursprünglichkeit bewahren kann.

 


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