20.10. – 25.10. 2018 Vietnam Teil I – Christian in Sapa

Mein beengendes Hostel in Hongkong  verließ ich am Morgen des 20.10. Anders als andere Gäste versuchte ich dabei möglichst leise zu machen und niemanden zu stören. Die Bahn brachte mich in circa 45 Minuten und mit zwei Umstiegen vorfallsfrei ans Ziel. Am Airport konnte ich dann meinen treuen Backpack zum ersten Mal in eine dafür vorgesehene Verpackung stecken, damit die Schnallen und Gurte nicht beschädigt werden. Danke dafür, Thommy! Im Anschluss musste noch gefrühstückt werden. Dass nahezu alle Restaurants am Flughafen die Octopus-Card akzeptieren, war ideal, denn so konnte ich das noch aufgeladene Geld gleich verwenden. Obwohl ich auch ziemlich Lust auf Burger hatte, entschied ich mich doch für traditionelles Essen. Also gab es dicke Reissuppe mit tausendjährigen Eiern und Bauchspeck dazu noch gebratene Nudeln. Ersteres war wirklich gewöhnungsbedürftig, obwohl die Eier ganz okay waren. Den zweistündigen Flug nach Hanoi im Anschluss verbrachte ich überwiegend schlafend. Die Einreise war problemlos und auch ohne Beweis für die Ausreise aus Vietnam möglich. Das 15-Tage-Visum gab’s zudem kostenlos. Dann noch schnell eine SIM-Karte gekauft, Geld abgehoben und den Bus in die Stadt gesucht und geentert – meine mittlerweile übliche Ankomm-Prozedur.
Mein Hostel für die kommenden drei Nächte war kein Vergleich zu dem in Hongkong: Für nur 6$ bekam man ein Bett mit Vorhang im Sechsbettzimmer. Außerdem gab’s einen hauseigenen Pool, einen schönen Aufenthaltsbereich, freies Frühstück, eine Dachbar und am besten: Freibier zwischen 6 und 7 Uhr. Davon genehmigte ich mir sodann gleich ein paar und ließ mich danach ein wenig durch die Stadt treiben auf der Suche nach leckerem vietnamesischen Futter. Ich fand einen Straßenimbiss, in dem viele Vietnamesen auf viel zu kleinen Hockern an viel zu kleinen Tischen ihre Leckereien in sich hinein schaufelten. Dank meiner Tischnachbarin war es mir dann auch möglich, etwas davon zu bestellen und ich hatte ausgezeichnete gegrillte Rippchen mit Reisnudeln, Chillis, Limetten und frischen Kräutern. Als ich dann in’s Bettchen fiel, brauchte es lange, bis ich zur Ruhe kam, weswegen ich das inklusive Frühstück verschlief und erst gegen Mittag am nächsten Tag aufstand. Ganz entspannt und ohne festes Ziel ging ich los Richtung Stadt. Zum Brunch gab es dann Banh Mi, ein vietnamesisches Sandwich. Ich spazierte zum Hoan Kiem See und besichtigte den Ngoc Som Tempel, der zur Zeit leider renoviert wird und wohl auch so nicht zu den eindrucksvollsten in Südostasien gehört.

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Obstsalat im Tempelinneren

davBei einem landestypischen Eier-Kaffee, bei dem Eischaum mit Kaffee gemixt wird, lernte ich einen Österreicher kennen, mit dem ich mich einige Zeit unterhielt. Zum Abschied schenkte er mir einen raubkopierten Reiseführer für Südostasien. Ich ging zurück zum Hostel, um meine mir zustehende Freibier abzustauben und lernte dabei Thibault kennen, einen Franzosen, der schon zwei Jahre in Australien lebt. Beim gemeinsamen Abendessen und dem anschließenden Kneipenbesuch schmiedeten wir einen Plan für die nächsten Tage. Am nächsten Tag buchten wir den Bus nach Sapa, holten Geld und ich musste noch mein Visum verlängern. Im Norden Vietnams wollten wir die einheimischen Minderheiten der Dao und H`mong besuchen, bei ihnen wohnen und dann noch eine Motorradtour entlang des Ha Giang-Loops machen. Am 23.10 kamen wir dann in Sapa an und unsere “Mama“ führte uns erst einmal zum Markt. Hier gab es neben den überall bekannten und erhältlichen Köstlichkeiten auch ein fleischgewordenes Klischee zu finden. In der Fleischabteilung entdeckten wir tatsächlich Hunde-Hinterläufe und Hundeschnauzen. Unsere Gastmama Su behauptete allerdings, sie habe noch nie Hund oder Katze gegessen.

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Gemüseabteilung auf dem Markt von Sapa
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Entwarnung: Nicht mehr bissig!

 

Gemeinsam mit ihr liefen wir entlang an Felshängen, wilder, üppiger Vegetation und ärmlichen Häusern zu ihrem Zuhause. Im Inneren gab es nicht viel: eine Feuerstelle, einen Tisch, eine Kochstelle, eine Kommode mit Fernseher und ein Bad mit Sitztoilette aber nur kalter Dusche. Zum Abendessen gab es verschiedenes Gemüse, Reis, für mich ein wenig Schweinefleisch mit Sellerie und Zwiebeln und für Thibault Tofu.

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Su hat auf dem Weg noch schnell Schweinefutter gerupft
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Thibault der Pflanzenfresser

Nachdem ich noch ein paar Lebenszeichen nach Deutschland abgesetzt hatte, ging ich recht früh zu Bett. Ich war froh über das Moskitonetz, denn die Wände von Sus Haus waren einfache Holzplanken mit teilweise heftigen Spalten, die allerlei Getier Einlass boten. Am nächsten Morgen wurden wir von Hahnengeschrei und Gegrunze von Schweinen geweckt. Die Ställe befanden sich direkt hinter unserem Zimmer und die Wände hielten wie gesagt nicht viel ab. Nach einem landestypischen Frühstück aus Reis und Gemüse, bei dem Su ein bisschen mit dem Salz ausgerutscht zu sein schien, machten wir uns fertig für die Tour. Zuerst besuchten wir das Dorfmuseum mit dem angeschlossenen Kräutergarten. Wir liefen weiter durch das Dorf und Su fragte, ob wir die Schule besichtigen wollten. Aber klar! Die Kinder waren alle im Grundschulalter und ein Kindergarten schien auch angeschlossen zu sein. Die Schulkinder lernten kooperativ an Gruppentischen und die junge Lehrerin ließ uns durch ihre Schützlinge im Chor und auf englisch begrüßen. Aus der Befürchtung, gleich mit eingespannt zu werden, verschwieg ich meinen Beruf und wir besuchten noch kurz die Kindergartengruppe, die gerade beim Essen war.

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Su kümmerte sich um ein weinendes Mädchen mit Zahnschmerzen

Dass das Benehmen dieser Kinder sich natürlich deutlich von dem der Berliner unterscheidet, ist euch vermutlich selbst klar. Danach besichtigten wir eine Höhle am Ende des Dorfes, die bei mir mehr Platzangst als Begeisterung auslöste. Wir krochen etwa 300 Meter in den Fels hinein, bis zu einer Stelle, an der man nur mit Seilen weiterkommt. Thibault fand es vermutlich schlimmer als ich, dass wir an dieser Stelle umdrehen mussten. Weiter ging die Tour zu einem Haus einer H`mong-Familie, die noch wesentlich ärmlicher lebten, als Sus Familie. Das Haus war wesentlich kleiner, ebenfalls nur aus Holz und wurde von einer Mutter und vier Kindern bewohnt. Der Vater wollte das Haus vergrößern und ist beim Holzschlagen in den Bergen ums Leben gekommen. Es ist unglaublich, wie die Menschen hier ein unglaublich hartes Leben fristen, während wir uns über Kleinigkeiten beschweren und im Überfluss leben.
Die Völker der Dao und H`mong leben jedenfalls noch überwiegend wie vor vielen hundert Jahren. Zwar haben Motorroller und Elektrizität ihren Alltag erleichtert, trotzdem leben sie noch immer vom Reisanbau und bessern ihren Lebensunterhalt mit dem Tourismus auf. Daos und H`mong kann man übrigens leicht an deren Kleidung unterscheiden. Während Su wie alle Dao-Frauen zwischen 20 und 55 Jahren ein rotes Kopftuch trug, tragen H`mong-Frauen häufig einen schwarzen, runden Hut, unter dem sie eine ganz spezielle Frisur tragen. Außerdem haben sie unterschiedliche Sprachen, Bräuche, Kleidungsstücke und Ohrringe. Su sagte, die Völker leben schon lange in Frieden dicht nebeneinander und es gäbe auch ab und zu Liebesbeziehungen zwischen den Völkern. Ob es immer so friedlich zuging, konnte oder wollte uns Su nicht beantworten.
Nach dem Mittag führte uns Su noch durch die Reisfelder. Obwohl diese bereits abgeerntet und dadurch mehr braun, als satt grün waren, war das trotzdem ein ziemliches Erlebnis. Es war gar nicht so einfach auf den Rändern der Reisterrassen unseren Weg zu finden. Völlig eingeschlammt und mit nassen Füßen schafften wir es nach über einer Stunde zurück auf die Straße. Dass Su hier im Spätsommer mehrmals täglich mit mehr als 40Kg Reis auf dem Rücken langstiefelt, sorgte für tiefen Respekt bei uns zwei Langnasen.

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Abgeerntete Reisterrassen

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Rechts in dem Häuschen nahmen wir unser Mittagessen zu uns
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Panorama beim Marsch durch die Reisfelder

Zurück in Sus Zuhause nahm wir eine kalte Dusche, ein einfaches aber massiges Abendessen zu uns und gingen mit dem Schweinegrunzen schlafen.
Am 25.01.2018 enterten wir morgens dann den Bus nach Ha Giang, um von hier aus eine mehrtägige Motorradtour durch die Berge zu machen. Für die 239Km brauchte unsre völlig überfüllter Kleinbus ganze acht Stunden. Was für eine Tortur! Ob man wohl mit dem Motorrad leichter in Vietnam voran kommt?

 

 


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